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    Trauern aus der Ferne: Wie kann man trauern, wenn man nicht vor Ort ist?

Trauern aus der Ferne

Wie kann man trauern, wenn man nicht vor Ort ist?

Eine Sammlung von Ideen, wie Trauer auch zu Hause zum Ausdruck gebracht werden und die Erinnerung im tagtäglichen Leben aufrecht erhalten werden kann.

Trauern und Abschied von zu Hause aus

Das kulturelle Leben in Europa hat sich immer schon verändert – heute leben wir immer häufiger auch weiter entfernt von anderen Familienmitgliedern, bisweilen über das gesamte Bundesgebiet verteilt. Im Trauerfall kann dies zur Folge haben, dass die Entscheidung getroffen werden muss, wo die Beisetzung erfolgen soll – in der Nähe der Eltern? An einem Ort der allen Familienmitgliedern wichtig ist? Auf dem Friedhof im ursprünglichen Heimatort? Auf einem Bestattungswald, wie zum Beispiel einem FriedWald, mitten in Deutschland? Bei einer gemeinsamen begleiteten Seebestattung? Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von konventionell-klassich bis zu individuell-aussergewöhnlich.

Neben der gemeinsamen Entscheidung über den Beisetzungsort ist auch die Frage nach der Trauerfeier in diesem Zusammenhang zu stellen – die Entscheidung, ob eine solche überhaupt stattfinden soll oder ob eine unbegleitete Beisetzung erfolgt, vielleicht sogar anonym. Auch in Zeiten der Ausnahmesituation, wie etwa während der Corona-Krise 2020 oder wenn ein Trauernder aus anderen Gründen nicht anreisen kann, stellt sich die Frage, wie eine Trauerfeier oder Abschiednahme gestaltet werden kann.

Trauern von zu Hause

Sollte an einer Trauerfeier nicht teilgenommen werden können, kann die Trauer zu Hause zum Ausdruck gebracht werden. Trauer ist eine Emotion und sollte als solche immer ausgedrückt werden ("Emotion", vom lateinischen „emovere“, etwa „herausbewegen“) – bloßes Unterdrücken oder Ignorieren ist bei ihr, wie bei allen anderen menschlichen Empfindungen, nicht angebracht und eher kontraproduktiv (vgl. D. Kundtz: „Nothing's Wrong: A Man's Guide to Managing His Feelings“).

Für das zum Asudruck bringen haben wir einige Ideen gesammelt, wie Abschied genommen und die Trauer gelebt werden kann, ohne bei einer Trauerfeier anwesend zu sein oder sein zu können.

video

Digitale Trauerfeier

Viele unserer Lebensbereiche sind bereits digitalisiert – Essensbestellung, Steuererklärung, Video-Telefonie, oder etwa die Bestattungs-Vorsorge. Menschen nutzen die Möglichkeit der Video-Telefonie für Ereignisse, bei denen Sie nicht anwesend sein können, die Ihnen aber wichtig sind. Sei es die Vorstellung neuer Produkte bei Entwickler-Konferenzen oder die Hochzeit eines Geschwisterkinds. Es spricht nichts dagegen, diese Technologien auch für Beisetzungen oder Trauerfeiern zu verwenden. So können Verwandte, die weit weg vom Beisetzungsort leben, der Trauerrede zuhören oder bei der eigentlichen Urnenbeisetzung dabei sein. Alles was nötig ist, sind zwei modernere Mobilfunkgeräte, um zumindest visuell und akustisch mit bei der Trauerfeier anwesend sein zu können. Diesen Service bieten wir bereits seit 2017 an und wir beraten Sie gerne, was die Umsetzung anbelangt.

Gemeinsam schweigen

Man kennt von Trauerfällen von öffentlichem Interesse oder Unglücken massiver Größe die sogenannte Schweigeminute – eine solche kann auch zur gemeinsamen Trauer im kleinen Kreis eingehalten werden. Hierzu können sich Freunde, Familie und Verwandte gemeinsam auf einen bestimmten Tag und eine Uhrzeit absprechen und gemeinsam eine Schweigeminute einlegen. Lokal beisammen wohnende Menschen können gemeinsam schweigen, Freunde können sich zusammentun und im Lieblingscafé der verstorbenen Person schweigen. Auch die Schweigeminute kann, per digitaler Kommunikation, ein Gefühl der Gemeinsamkeit aufbauen, um der Trauer Ausdruck zu verleihen, indem etwa im Video-Gruppen-Chat gemeinsam geschwiegen wird.

Sollte ein begleitete Bestattung erfolgen, so kann vor Ort und zu Hause gemeinsam geschwiegen werden – wer möchte, kann den genauen Zeitpunkt der Beisetzung per WhatsApp, iMessage, Skype oder einfach SMS kommunizieren und Menschen über den ganzen Globus verteilt können gemeinsam in Stille Andacht halten, wenn die Bestattung stattfindet, zum Beispiel wenn die Urne zu Grabe gelassen wird.

Eine ähnliche Form des Ausdrucks der Trauer, wenn auch genau das Gegenteil, ist das gemeinsame Anhören des Lieblingslieds oder einiger Lieblingslieder des Verstorbenen. Sei es durch vorherige Verabredung des Zeitpunkts oder auch hierfür per Video-Gruppen-Chat – Musik ist meistens auch ein Ausdruck eines emotionalen Zustands und beinhaltet für viele Menschen mehr als nur bloße Unterhaltung. Durch gemeinsames Anhören des einen Lieds, kann gemeinsam die Trauer in der Erinnerung an den verlorenen Menschen geteilt werden.

Längerfristige Trauer, auch im Alltag

Geht ein geliebter Mensch von uns, so fehlt er uns häufig nicht nur im ersten Moment oder bis wir die Bestattung durchgeführt haben, er oder sie fehlt uns oft jeden Tag in vielen einzelnen Momenten.

Wir können solche Momente nutzen, um jeden Tag mit der Trauer zu sein, sie zuzulassen und dabei der von uns gegangenen Menschen zu gedenken. Hierzu kann man einen kleinen Ort der Erinnerung im Haushalt schaffen – ein kleiner Ecktisch im Flur, eine Ecke der Kommode in der Küche, ein Platz auf der Fensterbank.

Dieser Platz muss nicht groß sein und keinen Design-Ansprüchen genügen – eine kleine Vase mit häufiger wechselnden, vielleicht selbst gepflückten, Blumen, ein schönes Foto der verstorbenen Person, vielleicht ein Erinnerungsstück wie Großmutters' Kamm oder ein Knopf von der Lieblingsbluse. Dies sind kleine Dinge, die die Erinnerung im "Hier und Jetzt" halten und so helfen, die Trauer zulassen zu können. Ein kurzer Gedanke beim Verlassen der Wohnung, oder ein Gedanke an die Großmutter beim Backen sind so im Alltag möglich und halten den geliebten Menschen nah.

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Erinnerungskiste

Eine letzte Idee, der Trauer von zu Hause Ausdruck zu verleihen ist die Erinnerungskiste. Sei es eine schöne alte Weinkiste, eine selbst gebastelte Schatztruhe oder Opas‘ alter Lederkoffer – wir halten die Erinnerung lebendig, indem wir anfassbare Erinnerungswerte in „unsere“ Kiste packen und immer wieder hervorholen. Hier einige Ideen, womit man eine solche Kiste befüllen kann:

  • Lieblingsparfüm
  • T-Shirt oder Sweatshirt des Verstorbenen
  • Etwas das mit dem Hobby verbindet – die Angel-Rolle, das Schnitzmesser, Stollen vom Fußballschuh…
  • Eine kleine Dose mit dem Lieblingsgewürz, dessen Duft Erinnerungen weckt
  • Eine Flasche des liebsten Rotweins
  • Blumen- oder Gemüse-Saat aus dem eigenen Garten
  • Ein Kissenbezug, den man aus dem Hemd oder der Bluse genäht hat
  • Ein aus einem Kleidungsstück gefertigten Teddy

Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt, wenn es um das weltliche Ausdrücken der Trauer geht – immer wieder können wir diese Erinnerungsstücke hervorholen, sei es an festen Tagen (wie dem Muttertag oder dem Geburtstag) oder auch „einfach so“ wenn uns danach ist. Trauer ist ein langwieriger Prozess, der uns gegebenenfalls unser ganzes Leben lang begleitet und der vielleicht niemals abgeschlossen wird.

Kleine Gesten wie das Hervorholen der Erinnerungs-Kiste oder die Möglichkeit, ein Erinnerungsstück beim gedankenvollen Tee in der Hand zu halten, helfen uns, den Schmerz des Verlustes erträglich zu machen, ohne ihn zwangsweise je loslassen zu müssen.

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Dieses Projekt wird kofinanziert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
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