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Einbalsamierung: Kurzzeitiges Konservieren des Leichnams

© istockphoto.com/andriano_cz

Unmittelbar nach dem Tod setzen die ersten Verwesungsprozesse ein. Abhängig von den klimatischen Bedingungen können diese unterschiedliche schnell ablaufen. Oft gibt es jedoch Gründe, den Leichnam über einen gewissen Zeitraum zu konservieren. In diesem Kontext hat sich die Kunst der Einbalsamierung entwickelt, die auch hierzulande immer mehr thematisiert wird, wenn es um die Organisation einer Bestattung geht. Was steckt aber eigentlich dahinter? Hier erfahren Sie alles zur Entstehung, zum Sinn und Unsinn der Einbalsamierung.

Ist eine Einbalsamierung das Gleiche wie eine Mumifizierung?

Hören wir das Wort, „Einbalsamierung“, kommen uns unweigerlich Bilder aus vergangen Zeiten in den Sinn, in denen ein Leichnam festlich und rituell mit ätherischen Ölen und Kräutern behandelt wird. Wir denken an die Mumien der alten Pharaonen und vielleicht haben wir auch das Bild des Leichnams Lenins, aufgebahrt im Mausoleum, vor unserem geistigen Auge.

Eine Einbalsamierung muss dabei allerdings klar von einer Mumifizierung abgegrenzt werden. Wohingegen die Einbalsamierung die Konservierung des Leichnams über einen kurzen Zeitraum zum Ziel hat, wird bei der Mumifizierung eine dauerhafte Erhaltung des Körpers angestrebt. Da jegliches organisches Material anfällig für Zersetzungsprozesse durch Kleinstorganismen ist, werden bei einer Mumifizierung möglichst alle Körperorgane entfernt, sodass letztendlich kaum mehr als die Haut und das Knochengerüst des Verstorbenen erhalten bleibt. Im alten Ägypten wurde dies durch mehrwöchige aufwändige Prozesse erreicht. Im Anschluss wurden verschiedene Füllmaterialien und wohlriechende Kräuter verwendet, um die ursprüngliche Form des Leichnams zu erhalten.

Die Einbalsamierung hingegen hat das Ziel, den Körper eines Verstorbenen nur für einen gewissen Zeitraum zu konservieren, um Zeit zu gewinnen und notwendige Schritte vor der Beisetzung durchführen zu können. Dies kann beispielsweise bei einer Überführung eines Leichnams in ein anderes Land erforderlich werden oder dann, wenn eine längere Phase des Abschiednehmens von der geliebten Person erwünscht ist.

Die übergangsweise Leichenkonservierung wird dadurch erzielt, dass Körperflüssigkeiten abgelassen und durch eine verwesungshemmende Substanz ersetzt werden. Dadurch kann eine kurzzeitige Konservierung von bis zu sechs Wochen erreicht werden.


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Ursprung und historisches Hintergrundwissen

In der westlich geprägten Kultur wurde der ursprüngliche Impuls zur Einbalsamierung in den USA gegeben. Die zahlreichen Kriege innerhalb der Vereinigten Staaten hatten eine Vielzahl an Toten zur Folge, die teilweise quer durchs Land bis in ihre Heimatorte transportiert werden mussten. Die Überführung erfolgte meist in Kutschen und Eisenbahnen und dauerte oft viele Tage und Wochen an. Der Zustand der Leichname bei der Ankunft war dementsprechend katastrophal.

Als Reaktion darauf begannen viele Ärzte mit der Praxis der Einbalsamierung. Zu diesem Zweck wurden Hohlorgane entleert und mit Substanzen befüllt, die die Verwesungsprozesse verlangsamten. Über die Jahre hinweg wurde das Einbalsamieren immer weiter perfektioniert und gehört mittlerweile zu den Standardprozeduren in den USA.

Modern Embalming: Einbalsamierung heute

Die kurzzeitige Konservierung des Verstorbenen findet heutzutage hauptsächlich dort statt, wo eine Aufbahrung des Leichnams im offenen Sarg üblich ist. Zu den Ländern, in denen diese Praxis des Abschiednehmens existiert, gehören die USA, Großbritannien, Russland und Armenien.

Die Einbalsamierung wird von Thanatopraktikern durchgeführt. Diese sind für alle Tätigkeiten im Bestattungswesen zuständig, die über die hygienische Totenversorgung hinaus gehen. Ein Einbalsamierer muss umfangreiche Kenntnisse über anatomische Grundlagen des menschlichen Körpers haben und über ein hohes Maß an Fachwissen hinsichtlich der Einbalsamierungstechniken verfügen.

Die Techniken des Modern Embalming zielen hauptsächlich auf die Erhaltung ästhetischer Merkmale und das Verhindern von Geruchsentwicklung ab. Jedoch kann eine kurzzeitige Konservierung auch dann notwendig werden, wenn der Leichnam ins Ausland überführt werden soll. Der Transport nimmt meist mehrere Tage in Anspruch, für die durch die hygienische Grundversorgung keine ausreichende Konservierung erreicht werden kann.

Bei der Behandlung wird der Leichnam zunächst gereinigt und desinfiziert. Gleichzeitig wird durch gezieltes massieren des Körpers die Leichenstarre gelöst, sodass er später in seine finale Position gebracht werden kann. Danach werden auch Körperöffnungen gereinigt und anschließend der Prozess des Flüssigkeitenaustauschs eingeleitet. Durch eine spezielle Pumpe werden die Körperflüssigkeiten abgelassen und durch eine sterile Einbalsamierungsflüssigkeit ersetzt. Auch Hohlorgane wie der Bauchraum müssen dabei berücksichtigt werden. Um das Entweichen der Konservierungsflüssigkeit zu verhindern, verstopft der Thanatopraktiker anschließend alle Öffnungen.

Im letzten Schritt müssen weitere Behandlungen vorgenommen werden, die in erster Linie ästhetische Hintergründe haben. Um das Öffnen des Kiefers zu verhindern, wird der Mund des Toten entweder durch einen speziellen Klebstoff versiegelt oder mit einer Naht verschlossen. Mithilfe von speziellen Kunststoffkappen werden die Augenlider fixiert, sodass der Tote einen schlafenden Eindruck vermittelt. Findet eine Aufbahrung statt, wird der Leichnam zusätzlich kosmetisch behandelt, um ihn möglichst lebendig und weniger furchteinflößend wirken zu lassen.

Ist eine Einbalsamierung sinnvoll? – Die Situation in Deutschland

In Deutschland herrschen gemäßigte klimatische Bedingungen. Deswegen ist eine Einbalsamierung in den meisten Fällen nicht notwendig und die hygienische Grundversorgung reicht in der Regel aus, um den Leichnam bis zur Beisetzung zu konservieren. Die Einbalsamierung hält zwar mehr und mehr Einzug in unsere Bestattungskultur, dennoch ist sie hierzulande noch eher ungebräuchlich. Eine Aufbahrung des Leichnams kommt nur in den seltensten Fällen vor. Oft ist auch eine Feuerbestattung erwünscht, bei der ästhetische Aspekte des Leichnams kaum eine Rolle spielen.

Durch die Einbalsamierung erfolgt außerdem eine langsamere Verwesung. Dies steht im Konflikt mit den üblichen Ruhezeiten von 20 Jahren. Viele deutsche Friedhöfe gestatten deswegen keine Beisetzung eines einbalsamierten Leichnams.

Auch aus ökologischen Gründen kann eine Einbalsamierung Nachteile haben. Im Prozess der kurzzeitigen Konservierung werden eine Vielzahl von Chemikalien verwendet, die sich schädigend auf den Boden und die Umwelt auswirken.

In manchen Fällen kann eine Einbalsamierung jedoch auch sinnvoll sein. Soll ein Leichnam beispielsweise über weitere Strecken zum Ort seiner Beisetzung transportiert werden, so stellt die Einbalsamierung sicher, dass während des Transports keine starken Verwesungsprozesse stattfinden können. Ist es zudem der Wunsch der Hinterbliebenen, den Verstorbenen über einen längeren Zeitraum zur Verabschiedung aufzubahren, so bietet die Einbalsamierung genügend Zeit, um den geliebten Menschen noch ein letztes Mal zu sehen.



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