mymoria
© shutterstock.com/ruslanguzov
  1. mymoria >
  2. Bestattung
  3. >

    Wie funktioniert die Einbalsamierung eines Leichnams?

Einbalsamierung

Kurzzeitiges Konservieren des Leichnams

Unmittelbar nach dem Tod setzen die ersten Verwesungsprozesse ein. Abh√§ngig von den klimatischen Bedingungen k√∂nnen diese unterschiedliche schnell ablaufen. Oft gibt es jedoch Gr√ľnde, den Leichnam durch eine Einbalsamierung zu konservieren.

In diesem Kontext hat sich die Kunst der Einbalsamierung entwickelt, die auch hierzulande immer mehr thematisiert wird, wenn es um die Organisation einer Bestattung geht. Was steckt aber eigentlich dahinter? Hier erfahren Sie alles zur Entstehung, zum Sinn und Unsinn der Einbalsamierung.

Ist eine Einbalsamierung das Gleiche wie eine Mumifizierung?

H√∂ren wir das Wort, ‚ÄěEinbalsamierung‚Äú, kommen uns unweigerlich Bilder aus vergangen Zeiten in den Sinn, in denen ein Leichnam festlich und rituell mit √§therischen √Ėlen und Kr√§utern behandelt wird. Wir denken an die Mumien der alten Pharaonen und vielleicht haben wir auch das Bild des Leichnams Lenins, aufgebahrt im Mausoleum, vor unserem geistigen Auge.

Eine Einbalsamierung muss dabei allerdings klar von einer Mumifizierung abgegrenzt werden. Wohingegen die Einbalsamierung die Konservierung des Leichnams √ľber einen kurzen Zeitraum zum Ziel hat, wird bei der Mumifizierung eine dauerhafte Erhaltung des K√∂rpers angestrebt. Da jegliches organisches Material anf√§llig f√ľr Zersetzungsprozesse durch Kleinstorganismen ist, werden bei einer Mumifizierung m√∂glichst alle K√∂rperorgane entfernt, sodass letztendlich kaum mehr als die Haut und das Knochenger√ľst des Verstorbenen erhalten bleibt. Im alten √Ągypten wurde dies durch mehrw√∂chige aufw√§ndige Prozesse erreicht. Im Anschluss wurden verschiedene F√ľllmaterialien und wohlriechende Kr√§uter verwendet, um die urspr√ľngliche Form des Leichnams zu erhalten.

Die Einbalsamierung hingegen hat das Ziel, den K√∂rper eines Verstorbenen nur f√ľr einen gewissen Zeitraum zu konservieren, um Zeit zu gewinnen und notwendige Schritte vor der Beisetzung durchf√ľhren zu k√∂nnen. Dies kann beispielsweise bei einer √úberf√ľhrung eines Leichnams in ein anderes Land erforderlich werden oder dann, wenn eine l√§ngere Phase des Abschiednehmens von der geliebten Person erw√ľnscht ist.

Die √ľbergangsweise Leichenkonservierung wird dadurch erzielt, dass K√∂rperfl√ľssigkeiten abgelassen und durch eine verwesungshemmende Substanz ersetzt werden. Dadurch kann eine kurzzeitige Konservierung von bis zu sechs Wochen erreicht werden.

Ursprung und historisches Hintergrundwissen

In der westlich gepr√§gten Kultur wurde der urspr√ľngliche Impuls zur Einbalsamierung in den USA gegeben. Die zahlreichen Kriege innerhalb der Vereinigten Staaten hatten eine Vielzahl an Toten zur Folge, die teilweise quer durchs Land bis in ihre Heimatorte transportiert werden mussten. Die √úberf√ľhrung erfolgte meist in Kutschen und Eisenbahnen und dauerte oft viele Tage und Wochen an. Der Zustand der Leichname bei der Ankunft war dementsprechend katastrophal.

Als Reaktion darauf begannen viele √Ąrzte mit der Praxis der Einbalsamierung. Zu diesem Zweck wurden Hohlorgane entleert und mit Substanzen bef√ľllt, die die Verwesungsprozesse verlangsamten. √úber die Jahre hinweg wurde das Einbalsamieren immer weiter perfektioniert und geh√∂rt mittlerweile zu den Standardprozeduren in den USA.

Modern Embalming: Einbalsamierung heute

Die kurzzeitige Konservierung des Verstorbenen findet heutzutage haupts√§chlich dort statt, wo eine Aufbahrung des Leichnams im offenen Sarg √ľblich ist. Zu den L√§ndern, in denen diese Praxis des Abschiednehmens existiert, geh√∂ren die USA, Gro√übritannien, Russland und Armenien.

Die Einbalsamierung wird von Thanatopraktikern durchgef√ľhrt. Diese sind f√ľr alle T√§tigkeiten im Bestattungswesen zust√§ndig, die √ľber die hygienische Totenversorgung hinaus gehen. Ein Einbalsamierer muss umfangreiche Kenntnisse √ľber anatomische Grundlagen des menschlichen K√∂rpers haben und √ľber ein hohes Ma√ü an Fachwissen hinsichtlich der Einbalsamierungstechniken verf√ľgen.

Die Techniken des Modern Embalming zielen haupts√§chlich auf die Erhaltung √§sthetischer Merkmale und das Verhindern von Geruchsentwicklung ab. Jedoch kann eine kurzzeitige Konservierung auch dann notwendig werden, wenn der Leichnam ins Ausland √ľberf√ľhrt werden soll. Der Transport nimmt meist mehrere Tage in Anspruch, f√ľr die durch die hygienische Grundversorgung keine ausreichende Konservierung erreicht werden kann.

Bei der Behandlung wird der Leichnam zun√§chst gereinigt und desinfiziert. Gleichzeitig wird durch gezieltes massieren des K√∂rpers die Leichenstarre gel√∂st, sodass er sp√§ter in seine finale Position gebracht werden kann. Danach werden auch K√∂rper√∂ffnungen gereinigt und anschlie√üend der Prozess des Fl√ľssigkeitenaustauschs eingeleitet. Durch eine spezielle Pumpe werden die K√∂rperfl√ľssigkeiten abgelassen und durch eine sterile Einbalsamierungsfl√ľssigkeit ersetzt. Auch Hohlorgane wie der Bauchraum m√ľssen dabei ber√ľcksichtigt werden. Um das Entweichen der Konservierungsfl√ľssigkeit zu verhindern, verstopft der Thanatopraktiker anschlie√üend alle √Ėffnungen.

Im letzten Schritt m√ľssen weitere Behandlungen vorgenommen werden, die in erster Linie √§sthetische Hintergr√ľnde haben. Um das √Ėffnen des Kiefers zu verhindern, wird der Mund des Toten entweder durch einen speziellen Klebstoff versiegelt oder mit einer Naht verschlossen. Mithilfe von speziellen Kunststoffkappen werden die Augenlider fixiert, sodass der Tote einen schlafenden Eindruck vermittelt. Findet eine Aufbahrung statt, wird der Leichnam zus√§tzlich kosmetisch behandelt, um ihn m√∂glichst lebendig und weniger furchteinfl√∂√üend wirken zu lassen.

Ist eine Einbalsamierung sinnvoll? ‚Äď Die Situation in Deutschland

In Deutschland herrschen gem√§√üigte klimatische Bedingungen. Deswegen ist eine Einbalsamierung in den meisten F√§llen nicht notwendig und die hygienische Grundversorgung reicht in der Regel aus, um den Leichnam bis zur Beisetzung zu konservieren. Die Einbalsamierung h√§lt zwar mehr und mehr Einzug in unsere Bestattungskultur, dennoch ist sie hierzulande noch eher ungebr√§uchlich. Eine Aufbahrung des Leichnams kommt nur in den seltensten F√§llen vor. Oft ist auch eine Feuerbestattung erw√ľnscht, bei der √§sthetische Aspekte des Leichnams kaum eine Rolle spielen.

Durch die Einbalsamierung erfolgt au√üerdem eine langsamere Verwesung. Dies steht im Konflikt mit den √ľblichen Ruhezeiten von 20 Jahren. Viele deutsche Friedh√∂fe gestatten deswegen keine Beisetzung eines einbalsamierten Leichnams.

Auch aus √∂kologischen Gr√ľnden kann eine Einbalsamierung Nachteile haben. Im Prozess der kurzzeitigen Konservierung werden eine Vielzahl von Chemikalien verwendet, die sich sch√§digend auf den Boden und die Umwelt auswirken.

In manchen F√§llen kann eine Einbalsamierung jedoch auch sinnvoll sein. Soll ein Leichnam beispielsweise √ľber weitere Strecken zum Ort seiner Beisetzung transportiert werden, so stellt die Einbalsamierung sicher, dass w√§hrend des Transports keine starken Verwesungsprozesse stattfinden k√∂nnen. Ist es zudem der Wunsch der Hinterbliebenen, den Verstorbenen √ľber einen l√§ngeren Zeitraum zur Verabschiedung aufzubahren, so bietet die Einbalsamierung gen√ľgend Zeit, um den geliebten Menschen noch ein letztes Mal zu sehen.

Aeternitas e.V.

Wir setzen uns f√ľr mehr Transparenz und eine Weiterentwicklung der Bestattungskultur ein.

Trusted Shops GmbH

mymoria.de wurde mit dem Trusted Shops G√ľtesiegel zertifiziert.

Erfolgsfaktor Familie

Wir sind im Einsatz f√ľr die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Respektvoll. Ehrlich. Zuverlässig.
© 2018 mymoria GmbH. Alle Rechte vorbehalten.
InstagramFacebookYouTube