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    Witwenrente und Waisenrente: Welche Formen der Hinterbliebenenrente gibt es?

Witwenrente und Waisenrente

Welche Formen der Hinterbliebenenrente gibt es?

Im Todesfall eines Ehepartners oder der Eltern haben Hinterbliebene Anspruch auf eine Witwen- oder Waisenrente. Diese muss bei der gesetzlichen Rentenkasse beantragt werden. Dabei gibt es wichtige Richtlinien und Bestimmungen zu beachten.

Die Hinterbliebenenrente kann Hinterbliebene finanziell absichern. Entsteht für Familienangehörige im Todesfall ein Unterhaltsverlust, wird dieser durch die gesetzliche Hinterbliebenenrente beglichen. Renten aufgrund eines Todesfalls sind in der gesetzlichen Rentenversicherung geregelt und teilen sich in 3 verschiedenen Arten auf:

  • Halb- und Vollwaisenrente
  • Erziehungsrente
  • Witwer- bzw. Witwenrente

Die Hinterbliebenenrente ersetzt den Unterhalt, der von der verstorbenen Person beglichen wurde. Hierbei stammen die Renten aus der Versicherung des Verstorbenen. Die Voraussetzungen für den Erhalt dieser finanziellen Unterstützung hängt von der jeweiligen Form und den finanziellen Verhältnissen der Hinterbliebenen ab.

Witwer- und Witwenrente

Wer hat Anspruch auf Witwenrente?

Eine Form der Hinterbliebenenrente ist die sogenannte Witwenrente. Anspruch auf die Witwenrente hat jeder, der mit seinem Ehepartner bis zu dessen Tod verheiratet war. Die Ehe darf zum Zeitpunkt des Todesfalls weder geschieden noch für nichtig erklärt worden sein. Doch auch andere Aufhebungen können den Anspruch auf die Witwenrente zu Nichte machen. So muss die Eheschließung beispielsweise immer standesamtlich erfolgt sein – eine kirchliche Trauung ist nicht ausreichend. Es spielt bei diesem Anspruch jedoch keine Rolle, ob die Partner zusammen oder getrennt lebten. Verlobungen sind ebenfalls vom Anspruch auf Witwenrente ausgeschlossen, jedoch besitzen eingetragene Lebenspartner einen rechtlichen Anspruch. Seit dem 1. Januar 2002 gilt der Anspruch auf eine Witwenrente erst nach einem Jahr Ehe, Ausnahmen gelten beim Unfalltod des Partners.

Hinterbliebene müssen bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um Witwer- beziehungsweise Witwenrente zu beziehen:

  • Eheleute müssen mindestens ein Jahr verheiratet gewesen sein
  • Der Verstorbene hat mindestens 60 Monate (5 Jahre) in die Rentenkasse eingezahlt
  • Der Hinterbliebene hat nicht erneut geheiratet und lebt in keiner eingetragenen Lebenspartnerschaft

Hinweis: Der Anspruch auf Witwer- beziehungsweise Witwenrente entfällt, sobald der Empfänger erneut heiratet oder eine eingetragene Lebenspartnerschaft eingeht.

Wenn die Voraussetzungen für die große Rente nicht erfüllt werden, kann die kleine Witwenrente beantragt werden. Zum Beispiel kann dies der Fall sein, wenn der Hinterbliebene zum Zeitpunkt des Todesfalls jünger als 45 Jahre und vier Monate war. Allerdings verschieben sich die Altersgrenzen hier genauso wie bei der großen Witwenrente jedes Jahr um einen Monat. Beachtet werden sollte hierbei, dass die kleine Variante nur befristet (zumeist zwei Jahre nach dem Todesfall) gezahlt wird und nur 25 % der Bezüge des Verstorbenen umfasst.  

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Eine Hinterbliebenenrente muss offiziell beantragt werden und kann bis zu zwölf Monate rückwirkend gezahlt werden. Im sogenannten Sterbevierteljahr erhält der Ehepartner beziehungsweise der eingetragene Lebenspartner drei Monate lang die volle Höhe der Versichertenrente. Danach kann zum Beispiel ein Einkommen angerechnet werden. Zahlungen der Witwenrente enden bei erneuter Heirat sowie der Begründung einer erneuten Lebenspartnerschaft oder bei der Wahl eines Rentensplittings.

Höhe der Ansprüche

Bei der Witwer- beziehungsweise Witwenrente wird für die Bezüge zwischen der „kleinen Witwenrente“ und „großen Witwenrente“ unterschieden. Die kleine Witwenrente beträgt 25 %, die große Witwenrente 55 % der Rente, die der verstorbene Partner hätte beanspruchen können. Der Hinterbliebene fällt in den Tarif der kleinen Witwenrente, sofern er keines der Kriterien für die große Witwenrente erfüllt:

  • Der Hinterbliebene ist über 45 Jahre und 5 Monate alt. Diese Altersgrenze wird seit 2012 stufenweise um einen Monat pro Jahr angehoben
  • Der Hinterbliebene ist berufsunfähig oder erwerbsgemindert
  • Der Hinterbliebene sorgt für ein Kind, das sich aufgrund einer Behinderung nicht selbst versorgen kann (altersunabhängig)
  • Der Hinterbliebene erzieht ein Kind unter 18 Jahren

Paare, bei denen ein Partner am 01.01.2002 bereits 40 Jahre und älter war und Personen, die an diesem Datum bereits verwitwet waren, haben Anspruch auf einen früheren Tarif der Witwenrente. Dieser beträgt 60 % des Rentenbetrages, der dem Partner zugestanden hätte.

Kinderzuschlag

Eltern, die ein Kind erziehen, erhalten neben der Witwer- beziehungsweise Witwenrente weitere Zuschläge. Eigenes Einkommen der Hinterbliebenen wird bei dieser Rentenform angerechnet, sobald bestimmte Freibeträge überschritten werden. Der Kinderzuschlag wird erst nach dem Sterbevierteljahr ausgezahlt.

Eine Anrechnung des Einkommens erfolgt bei verschiedenen Einkünften des Hinterbliebenen. Dazu zählen zum Beispiel Einkünfte aus Arbeit und Vermögen, Erwerbsersatzzahlungen, Betriebsrenten, private (Unfall-)Renten oder auch Elterngeld. Außerdem kann das Einkommen aus anderen Ländern angerechnet werden. Die Witwenrente erhält der Hinterbliebene bis zu einer gewissen Freigrenze. Diese Freibeträge liegen bei 755,30 Euro in den neuen Bundesländern und 696,70 Euro in den alten Bundesländern.

Waisenrente und Halbwaisenrente

Weitere Formen der Hinterbliebenenrente sind die Waisenrente und die Halbwaisenrente. Anspruch auf Waisenrente haben Kinder, bei denen kein unterhaltspflichtiger Elternteil mehr lebt. Kindern, bei denen noch ein unterhaltspflichtiger Elternteil lebt, steht die Halbwaisenrente zu.

Voraussetzungen für einen Anspruch

Bei der Waisenrente erhalten die Kinder einer verstorbenen Person eine Rente, sofern diese bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Der Anspruch auf Waisenrente besteht bis zum 18. Lebensjahr.

  • Eltern haben die Wartezeit erfüllt
  • Bezugsberechtigte sind die leiblichen Kinder des Verstorbenen
  • Bezugsberechtigte sind die Adoptiv-, Stief- oder Pflegekinder des Verstorbenen
  • Bezugsberechtigte sind Enkel oder Geschwister des Verstorbenen und wurden in denselben Haushalt aufgenommen  
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Waisenrente bis zum 27. Lebensjahr

In bestimmten Ausnahmen kann bis zur Vollendung des 27. Lebensjahres Waisenrente bezogen werden:

  • Der Empfänger hat die Schul- oder Berufsausbildung noch nicht abgeschlossen oder befindet sich in einer maximal 4-monatigen Pause zwischen 2 Abschnitten
  • Der Empfänger leistet ein freiwilliges ökologisches oder ein freiwilliges soziales Jahr
  • Der Empfänger kann aufgrund einer Behinderung nicht für seinen Unterhalt aufkommen

Höhe der Ansprüche

Die Höhe der Halbwaisenrente beträgt zehn Prozent der Versichertenrente, auf welche der verstorbene Elternteil Anspruch gehabt hätte. Auch in diesem Fall kann der verstorbene Elternteil diese zum Zeitpunkt seines Todes bereits bezogen haben. Die Höhe der Waisenrente – die auch als Vollwaisenrente bezeichnet wird und greift, wenn beide Elternteile versterben – liegt dagegen bei zwanzig Prozent des Anspruchs beider Elternteile.

Zusätzlich erhält das Kind noch einen Zuschlag zur Waisenrente, welcher sich nach den rentenrechtlichen Zeiten (zurückgelegt) des Verstorbenen richtet. Anspruch haben alle leiblichen sowie adoptierten Kinder, Stiefkinder, Pflegekinder und Enkel die im Haushalt des Verstorbenen lebten. Die Zahlung der Waisenrente erfolgt bis zum 18. Lebensjahr des Kindes, kann jedoch bis zum 27. Lebensjahr – etwa im Falle einer Ausbildung oder beim Besuch einer Schule – verlängert werden.

Dieses Projekt wird kofinanziert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
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