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Der Friedhof der Zukunft: Die Bestattungskultur im Wandel

Die Bestattungskultur befindet sich weltweit im Wandel. Während das Bestatten in asiatischen Ländern immer teurer wird und daher Alternativen gefunden werden müssen, geht der Trend in Deutschland weg von klassischen Bestattungsarten und hin zu Alternativbestattungen. Dies stellt auch die Friedhöfe vor neue Herausforderungen.

„Die Menschen leben den Großteil ihres Soziallebens in der digitalen Welt aus, dann kann auch im Netz getrauert werden.“ Diese Aussage des iVeneration-Gründers Anthony Yuen scheint weit hergeholt, doch tatsächlich sind Online-Friedhöfe und digitale Trauerportale schon lange keine Seltenheit mehr und haben sich in vielen Ländern zu einem wichtigen Anlaufpunkt für Hinterbliebene entwickelt.

Nun möchte das Hongkonger Start-up iVeneration sogar die gesamte Bestattungskultur ins World Wide Web verlegen und präsentiert einen Online-Friedhof, auf dem Angehörige ein virtuelles Grab erstellen können. Der Gestaltung sind dabei – wie bei einem realen Grab – keine Grenzen gesetzt und können ganz nach Belieben mit diversem Blumenschmuck, Fotos, virtuellen Kerzen und einer individuellen Inschrift personalisiert werden.

Was für viele zunächst befremdlich klingen mag, birgt viele Vorteile, denn so kann das Grab jederzeit und an jedem Ort besucht werden. Mithilfe einer Virtual Reality-Brille wirkt ein Besuch auf dem digitalen Friedhof sogar noch authentischer. Doch wohin mit den Toten? Wenn es nach Yuen geht, könne die Asche der Verstorbenen einfach in der Natur verstreut werden, schließlich gilt vor Ort (anders als in Deutschland) keine Friedhofspflicht – vielleicht auch, weil kaum noch genügend Grabflächen innerhalb der Megametropole gibt.

Hongkong platzt aus allen Nähten, Hochhäuser dominieren das Stadtbild und Friedhöfe kosten wichtige Grundstücksfläche. Und die Zahl der Einwohner wächst weiter rasant an – genau wie die der Toten. Mittlerweile kann die Stadt sogar den jährlich 44.000 Verstorbenen soagr nur noch 10.000 Urnennischen pro Jahr anbieten, was zu Wartezeiten von bis zu sechs Jahren und immensen Kosten führt. So kostet die Lagerung einer Urne allein schon umgerechnet mehrere Tausend Euro pro Jahr und eine Erdbestattung sogar bis zu 125.000 €.

„Tote nehmen mehr Platz weg als die Lebenden“, betitelt Anthony Yuen das Dilemma. Auf seinem Online-Friedhof müssen sich die Angehörigen nicht um einen Grabplatz bangen, hier ist genügend Platz für jeden. Das virtuelle Grab kann dabei nicht nur auf Friedhöfen platziert werden, sondern auch in Park, Wäldern und vor bekannten Bauwerken. Da mit einem Todesfall auch persönliche Trauer einhergeht, bietet die Plattform den Hinterbliebenen zudem ein Trauerportal. Hier können sich Angehörige untereinander oder mit anderen Trauernden austauschen.


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Fraglich bleibt, ob sich eine digitale Bestattungskultur in diesem Ausmaße im Hinblick auf Glauben, Bräuche und Traditionen überhaupt durchsetzten kann, doch auch darin sieht iVeneration kein Problem. Das Grab sei „schließlich nur ein Symbol für ihren Wohnsitz“ und das sei virtuell erfüllt.

Auch Japan geht Schritt für Schritt auf eine digitale Bestattungskultur zu. Denn auch hier liegen die Kosten für eine Bestattung bei spektakulären 17.000 € – ohne Grabplatz wohlgemerkt. Da einzelne Grabsteine für die meisten gar nicht erst finanzierbar sind, weichen sie auf Familiengrabsteine aus, unter denen mehrere Verstorbene beigesetzt werden können, jedoch lediglich der Familienname eingraviert wird. Um dennoch genauere Informationen über die dort beerdigten Verstorbenen zu bekommen, wurden seit 2008 vermehrt Plaketten mit QR-Codes an die Grabsteine angebracht. Diese können mit dem Handy eingescannt werden und führen, abhängig vom Anbieter, zu einer Gedenkseite im Internet oder einem virtuellen Friedhof.

Auch das Webportal Yahoo trägt seinen Teil zur digitalen Bestattungskultur bei und präsentierte „Yahoo Ending“, ein ganzes Set letzter Dienste, über das direkt nach dem Ableben automatisch Todesanzeigen geschaltet werden können oder Videobotschaften an die Hinterbliebenen versendet werden. Zudem arbeitet der Onlineanbieter mit Bestattungsunternehmen zusammen, sodass auch reale Abdankungen mit im Angebot enthalten sind.

In Deutschland ist eine digitale Bestattung wie in Hongkong zwar (noch) nicht möglich, doch auch hier gewinnen virtuelle Gedenkseiten und Trauerportale an immer größerem Zuspruch. Viele Zeitungen bieten ihren Lesern außerdem die Möglichkeit, die klassischen Traueranzeigen digital zu veröffentlichen und bieten den Hinterbliebenen zeitgleich eine Plattform, virtuell Kerzen anzuzünden oder sich in Kommentarbereichen mit Anderen auszutauschen. Zudem bieten sie den Vorteil, jederzeit und an jedem Ort abgerufen zu werden. Ebenso kann die Planung einer Bestattung mühelos und ohne Weiteres bequem von Zuhause online durchgeführt werden.

Die klassische Friedhofsform wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten zunehmend auflösen. Schon jetzt geht der Trend weg von der traditionellen Erdbestattung auf dem Friedhofsgelände und hin zu Alternativbestattungen in Bestattungswäldern, auf hoher See oder in den europäischen Nachbarländern. Als Folge werden die auf Friedhöfen entstehenden Freiflächen bereits anderweitig genutzt und beispielsweise nach und nach in Parkanlagen umgewandelt. Eine weitere neue Form der Friedhofsgestaltung in Deutschland sind die sogenannten Memoriam-Gärten. Ganz frei von starren Grabbegrenzung werden im Memoriam-Garten die Urnen in einem offen gestalteten Grabfeld beigesetzt. In diesem kleinen, blühenden Garten bilden die Gräber eine Einheit mit der Bepflanzung und den Grabmalen. Für die Hinterbliebenen entfällt die Grabpflege – die aufwendige Pflege des gesamten Gartens übernimmt die Friedhofsgärtnerei. Der Memoriam-Garten wird so nicht nur zu einem Ort der Trauer und der Erinnerung, sondern bietet zugleich Entspannung und lädt zur Kommunikation mit anderen Trauernden oder Friedhofsbesuchern ein.




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