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    Leben nach dem Tod: Vorstellungen vom Jenseits in unterschiedlichen Kulturen

Leben nach dem Tod

Vorstellungen vom Jenseits in unterschiedlichen Kulturen

Was denkt die Wissenschaft zur Frage nach dem Leben nach dem Tod und wie unterscheiden sich Religionen in Ihren Vorstellungen?

Immer schon haben sich die Menschen gefragt, was wohl „danach“ kommt. Die Frage nach dem, was uns am Ende unseres Lebens erwartet, begleitet uns philosophisch und religiös ebenso sehr wie wissenschaftlich. Sind wir auf diese Welt beschränkt und haben nur unsere Lebenszeit oder kommt noch etwas danach? Zergehen wir zu bloßer Nicht-Existenz und unser Dasein war buchstäblich temporär, oder kommt noch etwas, wenn wir die materielle Sphäre verlassen? Und wenn noch etwas „danach“ kommt, dann – was? Ein „besseres Leben“? Oder die Bestrafung für das, was wir in diesem Leben „falsch“ gemacht haben? Wenn Letzteres, dann basierend auf welchen Regeln soll die Beurteilung unserer Taten erfolgen?

Leben nach dem Tod in der Wissenschaft

Diese Fragestellungen sind nicht nur bloße Spekulation aus dem religiösen Zusammenhang oder etwas für Esoteriker, sondern beschäftigen auch Wissenschaftler durch die Zeiten hindurch. Dabei gibt es Konflikte und Gegensätze in der Wissenschaft wie auch in der Religion: Einstein zum Beispiel stellte sich Fragen, was „der Alte“, wie er „Gott“ bezeichnete, wohl wolle und spekulierte, ob Gott einfach „würfelt“. Im Gegensatz dazu sagt Stephen Hawking Gott sei „(…) der Name, den Menschen dem geben, was sie nicht verstehen“. Für ihn war das Leben nach dem Tod eine Fiktion für Menschen, die sich im Dunklen fürchten. Im Gegensatz, der Mensch hört auf zu existieren, wenn er stirbt, gleichsam einem Computer, der aufhört zu arbeiten, wenn er ausgeschaltet wird. Am Ende des Lebens ist „Schluss“ für unsere Existenz.

Anders dagegen einige, auch und gerade moderne, Wissenschaftler – nicht nur gibt es immer wieder auch Wissenschaftler, die eigenes Erleben dessen kommunizieren, was wir gemeinhin als „übernatürlich“ bezeichnen – ein „Leben nach dem Tod“ fügt sich auch hervorragend in das, was wir als Quantenphysik kennen. Wenn zum Beispiel Licht „einen von zwei Zuständen“ („elektromagnetische Welle“ oder „festes Teilchen“) innehaben kann, ist es nicht unbedingt abwegig zu vermuten, dass auch unsere Existenz oder zumindest unser Bewusstsein über das hinausgeht, was in der materiellen Welt verhaftet existiert. Hinweise hierauf bietet auch die Forschung zu den sogenannten „NDEs“ („Near Death Experiences“ etwa „Nahtoderfahrungen“) von etwa Markolf H. Niemz aus Heidelberg oder dem niederländischen Kardiologen Pim van Lommel. Diese legen nahe, dass es eine menschliche Existenz jenseits dessen gibt, was für uns „Leben“ ist. Sie stellen das Weiterexistieren einer (wie auch immer zu definierenden) Seele nach dem Tod in Aussicht.

Wird also das Bewusstsein neben Zeit, Raum, Materie und Energie als ein weiterer Grundpfeiler des Universums verstanden (oder längerfristig nachgewiesen), so stünden sich Religion und Wissenschaft nicht mehr gleichsam als Feind gegenüber, sondern sie würden sich in ihrer Synthese komplementär ergänzen.

Leben nach dem Tod im Christentum

Das allgemeine Grundverständnis des Christentums ist, dass der Tod erst durch den sogenannten Sündenfall und die damit einhergehende Vertreibung aus dem Paradies über den Menschen kam. Davon abgesehen jedoch gibt es viele größere und kleinere Strömungen des Glaubens, sodass nicht von „dem Christentum“ gesprochen werden kann. In den Hauptströmungen des Katholizismus und des Protestantismus jedoch unterscheidet man wie folgt, was den Glauben an ein Leben nach dem Tod anbelangt:

Fegefeuer und Vergebung im Katholizismus

Der Katholizismus geht davon aus, dass sich der Mensch (oder vielmehr viele davon) nach dem Tod zunächst einmal im sogenannten Fegefeuer bewähren muss, um eine abschließende Läuterung zu erfahren, bevor er in das ewige Himmelreich eintreten darf. Am „jüngsten Tag“ dann, nachdem Gericht gehalten wurde, steht er mit einem "unverweslichen" Leib neu auf, um anschließend auf ewig "in Gott" zu sein.

Der Protestantismus und das Leben nach dem Tod

Auch im evangelischen Glauben gibt es Hoffnung und Aussicht darauf, nach dem Tod „ganz nah bei Gott“ zu sein – die Idee einer Hölle wird jedoch mithin abgelehnt, da diese Vorstellung auf heidnischen Ursprüngen beruhe. Wie genau dieses „bei Gott sein“ und die damit verbundene Auferstehung aussehen, kann im Diesseits nicht gewusst werden. Allerdings sagt uns die Bibel, dass es jedenfalls kein „irdischer Leib“ sein wird: „Es wird gesät ein natürlicher Leib und es wird auferstehen ein geistlicher Leib.“ (1Kor). Zugleich jedoch ist diese nachweltliche Existenz eine ewig währendes Dasein, denn „der Tod wird nicht mehr sein“ (Offb).

Diesseits-bejahendes Judentum

In der Thora finden sich für das Judentum keine einheitlichen Angaben zum Leben nach dem Tod. Das Judentum sieht die menschliche Existenz insbesondere auf das Diesseits ausgerichtet, mit all den damit verbundenen „Aufgaben des Seins“, die dem Menschen gegeben sind: Leben, Kinder zeugen und den Fortbestand der Menschheit sichern, denn, so der Zentralrat der Juden in Deutschland, „der Mensch ist von Gott zum Leben geschaffen, und darum muss alles getan werden, das Leben des Menschen zu erhalten“. Dennoch gibt es in den heiligen Schriften des Judentums auch Anmerkungen und Verweise auf ein Leben im Jenseits, sodass das diesseitige Leben doch immer auch in Bezug auf ein Leben nach dem Tod gedacht wird und mit diesem in Verbindung steht.

Ähnlich wie im Christentum gibt es auch im Judentum (mindestens) zwei Strömungen, die sich in der Vorstellung zum Leben nach dem Tod unterscheiden: orthodoxe Juden bekennen sich zur Überzeugung das es eine Auferstehung für den Menschen geben wird. Aber auch die weniger orthodoxen "Reformjuden" haben zumindest die grundsätzliche Unsterblichkeit der Seele zum Bestandteil ihres Glaubens.

Islam

Die dritte große Weltreligion, der Islam, hat eine Vorstellung vom Jenseits – diese ist in der Tat sogar sehr ähnlich zum Christentum, denn auch Muslime glauben daran, nach dem Tod in der Nähe Gottes weiterzuexistieren. Zuvor werden Seele und Körper von einem Todesengel getrennt, sodass die Seele derjenigen die „Gutes getan“ haben in den siebten Himmel aufsteigen können, wo sie vor Gott gebracht werden. Die anderen Menschen jedoch gelangen nur zum ersten Himmel, wo ihnen der Zugang zu Gott verwehrt wird.

Anschließend werden Seele und Körper wiedervereint, nach einem Glaubenstest wird den Menschen entweder das Paradies in Aussicht gestellt oder ihm sind Hölle und Pein versprochen. Der Islam geht davon aus, dass nach dem jüngsten Gericht die Wiederauferstehung der Toten folgt. Dieses letzte Gericht entscheidet darüber, ob der Mensch, nachdem er die Jenseits-Brücke überschritten hat, in der Hölle oder in dem Paradies endet. Beim Richtspruch werden jedoch, aufgrund von Gottes Barmherzigkeit, die guten Taten zehnfach entlohnt, während die schlechten Taten nur einfach gezählt werden.

Fernöstliche Wiedergeburt

Die "fernöstlichen" Vorstellungen des Hinduismus und Buddhismus gehen, einander sehr ähnlich, davon aus, dass die Existenz nicht der Dichotomie zwischen Tod und Leben unterliegt, sondern vielmehr ein ewig währender Kreislauf ist. Man spricht dabei im Deutschen zwar von "Wiedergeburt", dies ist jedoch keine klassische Reinkarnation der Seele, sondern vielmehr ein von Leid geprägtes „beständiges Wandern“, das als Samsara bezeichnet wird. Der Kreislauf des Wanderns wird durchbrochen, wenn Gläubige ihr Karma komplett aufgelöst haben und dadurch Moksha (Hinduismus) beziehungsweise Nirwana (Buddhismus) erreichen.

Die Vorstellungen dazu, wie genau Samsara funktioniert oder wie die Existenz in diesem Kreislauf zum irdischen Dasein wird, sind zum Teil mehrfach komplex und unterscheiden sich massiv zwischen den Ausrichtungen des Glaubens.

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