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Anzeichen des Sterbens

Woran erkennt man den bevorstehenden Tod?

Sterben bedeutet meistens kein abruptes Ende – vielmehr durchläuft der Körper des Sterbenden einen Prozess, der mehrere Stunden oder Tage dauern kann. In dieser Zeit gibt es einige körperliche Anzeichen, die auf den bevorstehenden Tod hinweisen.


Sterbeprozess - Häufig gestellte Fragen


Wie lange dauert der Sterbeprozess?

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Auf diese Frage gibt es keine pauschale Antwort – jede Phase des Sterbens kann unterschiedlich lange dauern. Der natürliche Sterbeprozess beginnt bereits einige Wochen vor dem Tod, in denen der Mensch immer schwächer und müder wird. Wenige Tage vor dem Ende verliert der Sterbende das Interesse an seiner Umgebung und der Nahrungsaufnahme. Die Finalphase, die letzten Tage und Stunden sind geprägt vom langsamen Organversagen.


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Beim Sterben erlöschen die Funktionen der Organe, was schließlich zum Tod führt. Dieser Prozess des Sterbens passiert nicht von einer auf die andere Minute, sondern kann sich über mehrere Stunden und Tage hinziehen.

In vielen Fällen gibt es äußere Anzeichen und körperliche Veränderungen, sogenannte Todeszeichen, die auf einen baldigen Tod hinweisen können. Zu den verschiedenen Sterbephasen, die der Körper in den letzten Stunden vor dem Tod durchläuft, gehören unter anderem der sinkende Blutdruck, Unruhe, eine veränderte Atmung sowie die Abnahme von Hunger und Durst.

Der körperliche Sterbeprozess

Ein erstes Anzeichen für den Beginn des Sterbeprozesses kann sein, dass der Mensch nur noch wenig spricht und beginnt, viel zu schlafen. Der Körper fährt nach und nach den Stoffwechsel zurück und Hunger- und Durstgefühle hören auf. Dieses langsame Austrocknen des Körpers ist Voraussetzung für die Ausschüttung von weiteren schmerzlindernden Stoffen im Gehirn. Die Durchblutung verschlechtert sich und die Körpertemperatur fällt.

In der Sterbephase wird die Atmung flacher und unregelmäßig. Im fortgeschrittenen Stadium kommt ein Rasseln der Lungen hinzu. Der Sterbende kann weder husten noch schlucken und so sammelt sich im Rachen und in den Bronchien Schleim. Während diese Geräusche den anwesenden Angehörigen häufig Angst machen, ist es für den sterbenden Menschen keine große Belastung.

Auch das Gesicht eines sterbenden Menschen verändert sich. Oftmals ist zu beobachten, wie dieses kurz vor dem Tod spitzer wird. Durch die schlechter werdende Durchblutung und die erschlaffende Muskulatur sinken die Augen und die Wangen ein und verändern dadurch das Gesicht. Die Haut um den Mund und die Nase wird in dieser Phase des Sterbens besonders blass. Dieses weiße „Todesdreieck“ ist ein typisches Anzeichen für den kurz bevorstehenden Tod.

Abnehmende Durchblutung des Körpers

Ebenso werden Hände und Füße immer schlechter durchblutet, da sich der Körper auf die wichtigsten Organe im Inneren des Körpers – Lunge, Herz und Gehirn – konzentriert. Dadurch werden die Extremitäten kalt und verfärben sich allmählich blau. Es können sich aufgrund der verminderten Durchblutung auch dunkle Flecken bilden.

Allmählich lässt die Hirnfunktion nach und das Bewusstsein des Sterbenden nimmt ab. Häufig kehren sich die sterbenden Menschen in der letzten Sterbephase nach innen und nehmen ihre Umwelt nur noch schlecht oder gar nicht mehr wahr. Es kann auch vorkommen, dass Menschen während der letzten Stunden vor ihrem Tod sehr unruhig werden, mit den Füßen wackeln oder fahrige Bewegungen machen.

Neben den äußeren Todeszeichen finden im Körperinneren ebenfalls entscheidende Prozesse statt. Nach und nach stellen auch die inneren Organe ihre Funktion ein. Neben den Verdauungsorganen hören auch die Nieren und die Leber auf zu arbeiten, Giftstoffe können nicht mehr ausgeschieden werden und führen zu einer langsamen Vergiftung des Körpers. Dies kann Müdigkeit, Wahrnehmungsstörungen oder Übelkeit nach sich ziehen.

Beim Sterben lässt auch der Herzschlag nach und wird unregelmäßig. Wenn das Herz schließlich ganz stehen bleibt, werden die Zellen des Körpers nicht mehr mit Sauerstoff versorgt und nach einigen Minuten sterben die Hirnzellen ab. Der Mensch ist tot.

Den Sterbeprozess erleichtern

Liegt ein geliebter Mensch im Sterben, ist es für viele Menschen wichtig, den Sterbenden auf dem letzten Teil seines Weges zu begleiten und für ihn da zu sein. Egal, ob der Sterbensprozess im Krankenhaus, in einem Hospiz oder Zuhause stattfindet – es gibt einige Dinge, die Sie für den Sterbenden in dieser Phase tun können, um ihm die letzten Stunden seines Lebens zu erleichtern. Dabei sollten Sie jedoch immer auf die Reaktionen und Bedürfnisse achten, da nicht jeder Sterbende in der gleichen Weise reagiert.

Lassen Sie den Sterbenden nicht alleine. Viele Menschen finden kurz vor ihrem Tod Trost und Beruhigung darin, dass Sie von Menschen umgeben sind, die ihre Hand halten, mit ihnen sprechen oder sie streicheln – selbst dann, wenn sie nicht mehr bei Bewusstsein sind. Achten Sie auch hier darauf, wie der Sterbende auf Ihre Berührungen reagiert – nicht jeder empfindet Körperkontakt und Zärtlichkeiten als angenehm. Ist der Sterbende noch in der Lage zu sprechen, halten Sie Ihr Ohr nah an dessen Gesicht, um ihn besser zu verstehen. So muss der im Sterben Liegende sich nicht zu sehr anstrengen, mit lauter Stimme zu sprechen.

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Liegt ein Mensch im Sterben, kühlen die Extremitäten aus. Damit der Sterbende sich wohler fühlt, können Sie die Füße und Hände mit einer Decke wärmen. Auch eine bequeme Lagerung kann zur Entspannung beitragen. Die Umlagerung kann nun auch eingeschränkt oder ganz eingestellt werden. Achten Sie darauf, ob der Sterbende Schmerzen äußert – diese können in Absprache mit einem Arzt durch entsprechende Medikation möglicherweise gelindert werden.

Manche Menschen fürchten sich vor dem bevorstehenden Tod. In diesen Fällen kann es helfen, beruhigend mit dem Sterbenden zu sprechen. Auch ruhige Musik im Hintergrund kann besänftigend wirken.

Sterbende empfinden in der Regel kein Hungergefühl mehr und verweigern meist die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme. Zwingen Sie ihn daher nicht zum Essen oder Trinken. Nahrung verlangsamt in diesem Stadium den Sterbeprozess. Damit der Mund nicht völlig austrocknet können Sie ihm dennoch ein wenig Flüssigkeit anbieten oder wenigstens die Lippen ein wenig befeuchten. Auch Mundpflege kann das Austrocknen und damit verbundene Schmerzen verhindern.

Für einige Sterbende ist es einfacher, vom Leben Abschied zu nehmen und loszulassen, wenn sie alleine sind. Daher kommt es immer wieder vor, dass sie in dem Moment sterben, wenn die anwesenden Angehörigen oder Freunde das Zimmer verlassen haben. Geben Sie dem Sterbenden deshalb zwischendurch immer wieder ausreichend Ruhe und sorgen sie dafür, dass keine Unruhe durch zu viele Anwesende entsteht.

Hat der Sterbende sich eine religiöse oder seelsorgerische Begleitung oder andere Rituale gewünscht, sollten diese ermöglicht und durchgeführt werden.

Patientenverfügung hilft bei Entscheidungen

Liegt eine Patientenverfügung vor, in der der Sterbende seine Wünsche festgehalten hat, sollten diese im einsetzenden Sterbeprozess berücksichtigt werden. Idealerweise sind darin alle die medizinische Hilfestellung betreffenden Details geregelt. Möchte der Sterbende noch ins Krankenhaus eingeliefert werden, um dort medizinisch versorgt zu werden, wünscht er eine künstliche Ernährung oder Beatmung oder möchte er lediglich Medikamente gegen die Schmerzen erhalten? Sind diese Wünsche bereits in einer Patientenverfügung festgehalten, erleichtert diese den Hinterbliebenen die schweren Entscheidungen und stellt sicher, dass der Sterbende seinen letzten Weg in Würde und nach seinen Vorstellungen geht.

Wichtig bei der Begleitung eines Sterbenden auf seinem letzten Lebensweg: Überfordern Sie sich selbst nicht. Nach dem Tod ist es meist sehr tröstend, für den Sterbenden da gewesen zu sein – doch überlasten Sie sich nicht emotional. Es ist in Ordnung, wenn Sie sich während des Sterbeprozesses auch zwischenzeitlich zurückziehen oder sich nach dem Tod Hilfe holen, um das Erlebte zu verarbeiten.