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    Tod und Gesellschaft: Rituale rund um den Tod

Tod und Gesellschaft

Rituale rund um den Tod

Von der tibetanischen Himmelsbestattung zu den Räucherritualen der Ureinwohner Australiens – welche Rituale und Zeremonien gibt es auf der Welt, die anders sind als unsere kulturelle Vorstellung vom Umgang mit dem Tod?

Der Tod geliebter Menschen geht mit vielen Emotionen einher. Diese wollen und müssen wir zum Ausdruck bringen, was sich in Traditionen wie der Trauerrede oder dem Schlagen der Schiffsglocke bei der Seebestattung widerspiegelt. Auch die Beigabe von Trauerfloristik ist ein Weg, Gefühlen Ausdruck zu verleihen und so den Abschied zu gestalten und es Menschen zu ermöglichen, die Trauer auszuleben.

Da sich Kulturen weltweit immer schon unterschiedlich entwickelt haben, unterscheiden sich auch die Traditionen und Rituale rund um den Tod. So wie sich die gesellschaftlichen Traditionen, etwa von der Begrüßung eines bekannten Menschen bis zur Art wie wir im Geschäftsleben miteinander umgehen, in verschiedenen Ländern voneinander abweichen, ist auch die Beziehung zum Tod ungleich.

Unser westlicher Umgang mit dem Tod, der Besuch der Beerdigung und das Tragen von schwarzer Kleidung, einhergehend mit der Erinnerung, dass der Mensch nun zu Asche und Erde zurückkehrt ist, ist kein universeller Umgang mit dem Tod. Vielmehr ist er nur eine spezifische Form des ritualisierten Ausdrucks von Emotionalität im Zusammenhang mit wichtigen Lebensereignissen. Wir haben einige Rituale und Traditionen gesammelt, die auf uns vielleicht befremdlich wirken, die aber in anderen Kulturen den gleichen Zweck erfüllen und dort als normal gelten.

Open-Air-Bestattung in Tibet

In Tibet findet die Bestattung auf eine Weise statt, die für unsere Kulturkreise sehr seltsam anmutet – die Körper der Verstorbenen werden hier tatsächlich zerlegt und unter freiem Himmel ausgelegt. Dies erfolgt zumeist auf Berggipfeln, sodass die sterblichen Überreste von Aasfressern, insbesondere Geiern, verspeist werden. Die Knochen der Verstorbenen werden für die Himmelsbestattung zermahlen und mit geröstetem Gerstenmehl vermischt, um zu gewährleisten, dass sie von den tibetanischen „Engeln“, den Dakini, gegessen werden. Diese Bestattungsform gilt in Tibet als äußerst tugendhaft, da sie das Leben kleinerer Lebewesen schont, die ansonsten den Geiern zum Opfer gefallen wären.

Die langwierige Bestattung in Indonesien

Tana Toraja in Indonesien ist bekannt für die Dauer der Beisetzung. Verstorbene werden dort nach ihrem Ableben in einem speziellen Zimmer im Haus der Verwandten untergebracht. Sie gelten bis auf Weiteres nur als "erkrankt" oder gar "schlafend" und sind daher weiter Familienmitglied – sie tauchen bisweilen selbst auf Familienfotos auf. Erst wenn bei einem ausschweifenden Fest ein Wasserbüffel geopfert wird, um die Seele des Toten in die Anderswelt zu tragen, gilt die Person wirklich als verstorben. Das Fest kann Tage bis Wochen dauern – mitunter vergehen Jahre, bis diese Festivität gefeiert wird, da die Hinterbliebenen erst das notwendige Geld für die Feierlichkeit sparen müssen.

© wikipedia.com/Lord Mountbatten (CC BY-SA 3.0)

Die beswingten Begräbnisse in New Orleans

Es ist vielleicht eines der in unseren Breitengraden bekanntesten Bilder: Die Jazz-Musiker, die im Rahmen einer Bestattung durch die Straßen New Orleans ziehen. Der Trauerzug spielt zunächst schwere, tragende Noten um dann, nach der erfolgten Beisetzung, in die rhythmisch-extatischen Klänge zu wechseln, für die New Orleans-Jazz bekannt und beliebt ist.

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Der Tod als Lebensspender im Amazonas

Für den Stamm der Yanomami, der zwischen Brasilien und Venezuela lebt, gilt der Tod als ein die gesellschaftliche Einheit stärkendes Ereignis – unser Wissen darüber beruht zwar auf einer kinematischen "Dokumentation" die eher ein Horror-Spielfilm ist, doch liegen dem zumindest einige bekannte Fakten zugrunde. Diese stammen aus erster Hand von einer Jugendlichen, die 1930 von den Yanomami entführt wurde. Sie hat 1997 ihre Autobiografie "Yanoáma: The Story of Helena Valero, a Girl Kidnapped by Amazonian Indians" veröffentlicht und berichtet davon, dass der Stamm Kinder jeden Alters anderer Stämme tötet.

Entgegen der Vorkommnisse in der oben genannten Schock-Dokumentation mit dem den treffenden Namen "Cannibal Holocaust", entführt der Stamm nicht etwa Reisende im Urwald, sondern verspeist die eigenen Toten. Diese werden zunächst in einem offenen Feuer kremiert, da nur so volle Erlösung der Seele möglich ist. Die übrig gebliebene Asche und etwaige Reste werden zermahlen und in der Regel in einem Topf bis zur nächsten Feierlichkeit aufgehoben.

Bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit, etwa einem größeren Fest, werden diese aufgehobenen Reste und Knochen dann mit gekochten Bananen vermischt. Der daraus resultierende Brei wird gemeinschaftlich verspeist, um die Seele des Verstorbenen im Stamm zu verteilen. Nur so kann sie erlöst werden – andernfalls ist sie auf ewig gefangen zwischen der Welt der Lebenden und der Toten.

Den Schmerz der Trauer nach außen tragen

Eine noch bis vor wenigen Jahren erlaubte, aber inzwischen offiziell verbotene Form der Trauer ist die Finger-Amputation – die Frauen des Dani-Stammes in Neu Guinea brachten ihre Trauer über verlorene nächste Angehörige durch dieses Ritual zum Ausdruck. Die Amputation erfolgte freiwillig: Zunächst wurde der obere Teil des Fingers mit einer Schnur abgebunden und anschließend amputiert. Die entstehende Wunde wurde verätzt, um starkes Bluten zu vermeiden und eine neue Hornhaut tragende Fingerkuppe zu bilden. Der amputierte Fingerteil wurde mit dem Toten im Rahmen der Feuerbestattung eingeäschert und die Familien hoben die Totenasche an einem für sie heiligen Ort auf.

Totentanz in Madagaskar

Für den Stamm der Malagasy kehrt der Geist der Verstorbenen in die Welt zurück, nachdem der Körper vollständig vergangen ist. Alle sieben Jahre werden die in einer Krypta aufgebahrten, in Seidentücher gewickelten Knochen der Verstorbenen daher hervorgeholt. Die Hinterbliebenen wickeln die Verstorbenen zum Fest "Famadihana" aus diesen Tüchern aus und tanzen mit den Knochen zu Livemusik. Anschließend werden sie wieder eingewickelt und mit Parfüm besprüht. Die Familienangehörigen halten die Toten im Schoß um zu reflektieren und lassen sich mit ihnen fotografieren. Nach den Feierlichkeiten werden die Toten wieder für sieben Jahre zu Ruhe gebettet, wobei die Hinterbliebenen in der Gruft Geschenke aus Geld, Fotos und Alkohol hinterlassen.

Kremations-Feier in Bali

Während die Feuerbestattung für unsere Kultur ein eher trauriges Ereignis ist, scheint dies für Balinesen nicht zu stimmen: Da die Seele der Verstorbenen durch die Kremation befreit wird, finden ausgiebige Fest statt – so zumindest Miguel Covarrubias in seinem 1937 erschienene Buch "Island of Bali". 2008 erfolgte eine der größten Kremationsfeiern, bei der ein Mitglied der königlichen Familie zusammen mit 68 Bürgern eingeäschert wurde. Dabei wurde neben einem hölzernen Drachen auch ein massiver hölzerner Bulle kremiert, in welchem Agung Suyasa zur Feuerbestattung aufgebahrt war.

Lebensmittelpunkt Tod für australische Ureinwohner

Für viele der diversen Stämme der Ureinwohner Australiens gilt der Tod als wichtiges Ereignis und die Durchführung der Riten, die in diesem Zusammenhang erfolgen, sind wichtiger als alles Andere. Wenn ein Mitglied des Stammes verstirbt, findet zunächst im Haus des Verstorbenen ein Räucherritual statt, um den Geist des Verstorbenen zu vertreiben. Ebenfalls werden Fahnen aufgehängt oder die Wände des Wohnraums mit Ocker bemalt, was der Vertreibung des Geistes des Verstorbenen dienen soll. Auch das Begräbnis selbst ist von Ritualen und Traditionen umgeben – so wird der Körper des Verstorbenen bis zur Beisetzung in seinen eigenen Wohnräumen aufgebahrt, die Hinterbliebenen bemalen ihre eigenen Körper und die Verwandtschaft kommt zusammen, um Musik, Tanz und Essen miteinander zu teilen.

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Dieses Projekt wird kofinanziert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
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