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    Hospize: Kranke Menschen auf den bevorstehenden Tod vorbereiten

Hospize

Kranke Menschen auf den bevorstehenden Tod vorbereiten

In Hospizen werden schwer kranke Menschen und deren Angehörige auf den bevorstehenden Tod vorbereitet. Ziel der Hospizarbeit ist es, die letzten Lebenswochen für einen Sterbenden so schmerzfrei wie möglich zu gestalten.

Aufgabe der Hospize

Es ist für viele Menschen wohl eine Schreckensvorstellung: Allein im Krankenhaus die letzten Tage zu verbringen, umgeben von Apparaten und unbekannten Menschen. Gerade so ein Ort möchten Hospize, Einrichtungen für die Sterbebegleitung, nicht sein.

Ein Hospiz ist eine Einrichtung, in der Menschen, die an einer unheilbaren Krankheit leiden, den letzten Abschnitt ihres Lebens verbringen können. Hospize bieten eine Form der Sterbebegleitung, bei der Sterbende und deren Angehörige in angenehmer Umgebung auf den bevorstehenden Tod vorbereitet und während des Sterbens begleitet werden. Ist eine Behandlung einer Krankheit zum Beispiel im Krankenhaus nicht mehr möglich oder nicht vom Patienten gewollt, so steht in Hospizen die Erhaltung der noch vorhandenen Lebensqualität der Patienten und die Kontrolle der unterschiedlichen Symptome (etwa durch Schmerztherapie) im Mittelpunkt. Ziel der Hospizarbeit ist es, die letzten Lebenswochen für einen Sterbenden so schmerzfrei wie möglich zu gestalten. Dabei werden weder lebensverlängernde noch lebensverkürzende Maßnahmen durchgeführt.

Hintergrund der Hospizbewegung

In den letzten Jahren und Jahrzehnten sind in Deutschland immer mehr Hospize entstanden. Als Motivation für die Gründung einer solchen Einrichtung wird meist die oben bereits beschriebene Unzufriedenheit mit der als steril und distanziert empfundenen Behandlung im Krankenhaus begründet. Als Gegenentwurf dienen Hospize dem “humanen Sterben” – sie sollen den Sterbenden einen Schutzraum eröffnen und ihnen ein möglichst normales Leben in der letzten Lebensphase ermöglichen. Zugleich werden die Sterbenden und ihre Angehörigen im gesamten Trauerprozess begleitet. Eine Aufgabe, die im Krankenhaus ebenfalls häufig nicht erfüllt werden kann.

Die Hospizbewegung wurde ursprünglich in den USA von der Schweizer Ärztin Elisabeth Kübler-Ross initiiert. In Deutschland geht die moderne Hospizbewegung auf die 1970er Jahre zurück. Der Begriff „Hospiz“ leitet sich vom lateinischen Wort „hospitium“ ab und bedeutete Gasthaus oder Herberge. Anders als im Krankenhaus oder einer herkömmlichen Pflegeeinrichtung wird in einem Hospiz viel Wert auf eine angenehme Umgebung und Betreuung der Sterbenden sowie Angehörigen gelegt.

Nach wie vor haben viele Menschen den Wunsch, im eigenen Zuhause zu sterben. Statistisch sterben die meisten Menschen jedoch im Krankenhaus oder einer Pflegeeinrichtung. Das Hospiz stellt eine Mischform dar. Sterbenden und deren Angehörigen werden auf dem letzten Lebensweg schmerzlindernde Behandlungen sowie eine familiäre und wohnliche Umgebung geboten. Die Nachfrage nach Behandlungen in Hospizen als Alternative zu herkömmlichen Pflegeeinrichtungen hat in den letzten 35 Jahren stetig zugenommen.

Formen von Hospizen

Es gibt verschiedene Arten von Hospizen: Von ambulanter, palliativer Pflege zu Hause bis hin zu stationärer Versorgung lassen sich sehr viele unterschiedliche Formen der Hospizarbeit finden. Gleiches gilt für die medizinische Betreuung in den Einrichtungen. Häufig werden die Patienten von Hausärzten betreut, manche stationäre Einrichtungen haben hingegen eigens angestellte Ärzte. Meist ist mit einem Hospiz jedoch die stationäre Form der Pflege gemeint.

Ambulante Hospizdienste

Viele Menschen haben den Wunsch, im eigenen Zuhause zu sterben. Bei der Hospizarbeit werden die Wünsche und Bedürfnisse schwer kranker Menschen nach Möglichkeit respektiert, um Sterbenden einen würdevollen Abschied vom Leben zu ermöglichen. Ambulante Hospizdienste schaffen für todkranke Menschen die Möglichkeit, im vertrauten Zuhause zu sterben. Durch eine gute Vernetzung wird Sterbenden eine umfassende Behandlung aus verschiedenen medizinischen und seelsorgerischen Bereichen zur Verfügung gestellt.

Stationäre Hospizdienste

Stationäre Hospize begleiten unheilbar kranke Menschen auf dem letzten Lebensweg. In der Regel sind Hospize kleine, familiäre Einrichtungen, die sich der ganzheitlichen Betreuung von Sterbenden und derer Angehöriger verschrieben haben. Ein Aufenthalt soll für die Sterbenden so schmerzfrei und angenehm wie möglich gestaltet werden und eine Vorbereitung auf das baldige Ableben bieten. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in einem stationären Hospiz beträgt zwei bis vier Wochen.

Mitarbeiter von Hospizen

Interdisziplinäres Team

In Hospizen sind interdisziplinäre Teams beschäftigt, die eine umfassende Betreuung und Expertise aus verschiedenen medizinischen und seelsorgerischen Bereichen ermöglichen. Hierzu zählen:

  • Ärzte
  • Seelsorger
  • Krankenschwestern
  • Sozialarbeiter
  • Pfarrer
  • Psychologen
  • Ehrenamtliche Helfer

Ehrenamtliche Helfer

Ehrenamtliche Helfer zählen zu besonders geschätzten Mitarbeiter von Hospizen. Sie tragen unter anderem zu einer finanziellen Entlastung der Einrichtungen bei, machen Besorgungen, leisten Gesellschaft und begleiten die Mahlzeiten. Ehrenamtliche Mitarbeiter schaffen durch alltägliche Handlungen eine unbefangene Atmosphäre, die Hospize von herkömmlichen Pflegeeinrichtungen unterscheidet.

Praktiken in Hospizen

Palliativmedizin

Die Palliativmedizin ist ein wichtiger Teil der Hospizarbeit. Ziel der medizinischen Behandlung in einem Hospiz ist nicht die künstliche Verlängerung des menschlichen Lebens, sondern die Steigerung der Lebensqualität in den letzten Lebenstagen. Der letzte Lebensabschnitt soll für einen Sterbenden trotz schwerer Krankheit so schmerzfrei wie möglich gestaltet werden.

Ständige Bereitschaft

Durch die enge Zusammenarbeit verschiedener Teams aus Ärzten, Pflegern, Ehrenamtlichen und Seelsorgern ermöglichen Hospize eine umfassende Betreuung. Bedürfnisse der Patienten sind dabei nicht an die Arbeitszeiten des Personals gebunden. Im Hospiz stehen Mitarbeiter stets zur Verfügung; Sei es mitten in der Nacht oder am früher Morgen.

Psychologische Betreuung

Die Hospizarbeit endet nicht mit dem Tod eines Patienten. Auch Angehörige werden in einem Hospiz auf dem Sterbeweg eines geliebten Menschen begleitet und erhalten im Anschluss Beistand bei der Trauerarbeit. Seelsorger, Pfarrer, ehrenamtliche Helfer und Psychologen sind bei der psychologischen Betreuung Angehöriger behilflich.

Aufnahme in ein Hospiz

In ein Hospiz kann nicht jeder aufgenommen werden – schließlich sind die Plätze in den kleinen Einrichtungen oftmals knapp. Voraussetzung für die Aufnahme in eine stationäre Einrichtung ist meist, dass der Patient an einer Krankheit leidet, die nicht heilbar ist und absehbar zum Tod führt. Derartige Krankheiten können zum Beispiel verschiedene Krebserkrankungen, schwere Nieren- und Herzerkrankungen oder auch die in den letzten Jahren durch die sogenannte “Ice BucketChallenge” ins öffentliche Bewusstsein geratene Krankheit ALS, eine unheilbare degenerative Erkrankung des motorischen Nervensystems, sein.

Sofern Menschen an einer schweren und unheilbaren Krankheit leiden, können Sie in ein stationäres Hospiz aufgenommen werden. Dazu müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Der Betroffene kann nicht ambulant versorgt werden
  • Die Dringlichkeit einer kurativen Behandlung liegt nicht vor
  • Der Patient hat sich formell angemeldet
  • Ein Arzt hat die Aufnahme aus medizinischer Sicht begründet

Begründung durch den Arzt

Die ärztliche Begründung für die Aufnahme in ein Hospiz muss eine Diagnose sowie die Dringlichkeit für eine Behandlung im Hospiz beinhalten. Mit dieser ärztlichen Begründung wird der Antrag auf eine Kostenübernahme bei der Krankenkasse gestellt. Antragsvordrucke sind bei der Krankenkasse oder im Hospiz erhältlich.

Übrigens: Der Antrag auf eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse sollte schon vor der Einweisung in ein Hospiz vorliegen.

Finanzierung

Für die Finanzierung der stationären Hospizleistungen sind bestimmte Tagessätze festgelegt. Diese liegen momentan bei rund 300 Euro pro Tag und Patient. Pflege- und Krankenkassen tragen etwa 95 % der Kosten. Die restlichen 5 % müssen die Hospize selbst aufbringen. Dabei sind die Einrichtungen in der Regel auf Spendengelder angewiesen. Auch die Kosten ambulanter Hospizdienste werden unter bestimmten Voraussetzungen durch die gesetzlichen Krankenkassen getragen.

Hospize bringen das Sterben wieder in das öffentliche Bewusstsein

Der Tod und das Sterben werden von vielen Menschen im Alltag ausgeblendet. Selbst der Tod naher Angehöriger wird oftmals fernab im Krankenhaus erlebt. Ein Hospiz bildet einen Raum, in dem sich die Sterbenden und auch ihre Angehörigen intensiv mit dem Tod auseinandersetzen können. Hospize erfüllen somit eine gesellschaftlich nicht zu unterschätzende Aufgabe.

Lesen Sie dazu auch: Ausführliche Infos zu den Kosten für ein Hospiz und wer diese tragen muss.

Dieses Projekt wird kofinanziert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
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