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Erbfolge: Wie die gesetzliche Erbfolge die Reihenfolge der Erben festlegt

© pixabay.com/sylviebliss

Im Todesfall eines Menschen erhalten Angehörige gemäß einer bestimmten Erbfolge Anteile oder das gesamte Vermögen des Verstorbenen. Erfahren Sie alles Wissenswerte zur gesetzliche Erbfolge und verschiedenen Möglichkeiten, die Reihenfolge der Erben zu Lebzeiten selbst festzulegen.

Mögliches Erbe

Der Nachlass eines Verstorbenen kann aus Vermögen, Grundstücken, Immobilien oder persönlichem Hausrat bestehen. Tiere und Waffen zählen beispielsweise ebenfalls zum Nachlass. Allerdings können auch Schulden des Verstorbenen vererbt werden. Das Erbe sollte bereits zu Lebzeiten in Form eines Testaments oder eines Erbvertrages festgeschrieben werden. Dabei kann auch die Verteilung des Erbes bestimmt werden.

Hinweis:

Hinterbliebene erhalten vor einer Annahme oder Ausschlagung des Erbes keine Auskunft über die Höhe oder Art des Nachlasses.

Erbberechtigte Personen

Erbfähig sind laut deutschem Erbrecht natürliche oder juristische Personen, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen:

  • Natürliche Personen, die am Leben sind
  • Ungeborene Kinder, die lebend geboren werden
  • Juristische Personen (z. B. Firmen), die zum Zeitpunkt des Todes wirksam gegründet und nicht aufgelöst sind
Hinweis:

Tiere, Objekte und fiktive Personen sind vom deutschen Erbrecht ausgeschlossen.

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Unterschied zwischen Erbnehmer und Vermächtnisnehmer

Als Erben werden Hinterbliebene bezeichnet, denen Teile oder das komplette Vermögen eines Verstorbenen zugesprochen werden. Als Vermächtnisnehmer gelten Personen, die lediglich Vermögensgegenstände vom Erblasser erhalten. Die Rechte und Pflichten eines Erbnehmers gelten nicht für den Vermächtnisnehmer.

Hinweis:

Im Testament sollte klar zwischen Erbnehmer und Vermächtnisnehmer unterschieden werden. Häufig werden einzelnen Personen bestimmte Gegenstände zugesprochen. Dabei ist nicht immer klar, was mit dem verbleibenden Nachlass geschehen soll. Hierfür sollte eine klare Erbfolge festgelegt werden.

Erbfolge

Gesetzliche Erbfolge

Die gesetzlich festgelegte Erbfolge greift in Deutschland, sofern vom Verstorbenen kein Testament mit einer individuellen Erbfolge aufgesetzt wurde. In absteigender Reihenfolge sind folgende Personengruppen erbberechtigt:

1. Ordnung: Dies sind direkte Abkömmlinge des Erblassers. Es sind seine Kinder oder Enkel unabhängig davon ob es eheliche Kinder sind oder nicht. Gleiches gilt auch für adoptierte Kinder, nicht aber für Stief- oder Ziehkinder.
2. Ordnung: Dies sind die Eltern des Erblassers und deren Abkömmlinge. Es handelt sich also um die Geschwister, Nichten und Neffen oder sogar Großnichten und Großneffen des Erblassers.
3. Ordnung: Dies sind die Großeltern des Erblassers sowie deren Abkömmlinge. Es handelt sich also um die Großeltern, Onkel, Tante, Cousin und Cousine etc.
4. Ordnung: Dies entspricht den Uhrgroßeltern sowie deren Abkömmlinge. Dazu zählen Großonkel und -tante etc.
5. Ordnung: Dies entspricht entfernte Verwandte die von entfernten Voreltern des Erblassers abstammen.

Hinweis:

Wenn mehrere Personen durch die gesetzliche Erbfolge als Erben in Frage kommen, bilden diese eine Erbgemeinschaft. Der Nachlass wird unter der Erbgemeinschaft aufgeteilt.

Das Nachlassgericht ist im Erbfall dafür zuständig, die Erben gemäß der gesetzlichen Erbfolge ausfindig zu machen. Sofern der oder die Erben das Erbe annehmen, wird ein Erbschein ausgestellt. Dieser weist den Erben als neuen Eigentümer und Rechtsnachfolger des Verstorbenen aus.

Individuelle Erbfolge

Sofern ein Verstorbener zu Lebzeiten eine individuelle Erbfolge in einem Testament oder Erbvertrag festgelegt hat, wird der Nachlass entsprechend dieser Reihenfolge unter den Erben aufgeteilt. Das Erbe kann dabei auf eine einzige oder mehrere Personen fallen. Sofern mehrere Personen durch ein Testament als Erben benannt werden, bilden diese eine Erbgemeinschaft. Als Erben können beispielsweise Verwandte, Freunde, Bekannte oder Einrichtungen wie Stiftungen benannt werden.

Erbgemeinschaft

Bei mehreren Erben wird das Erbe unter der Erbgemeinschaft aufgeteilt. Die Höhe der Erbanteile wird gleichermaßen hierarchisch auf die Erben aufgeteilt. Sofern keine Erben der ersten Ordnung vorhanden sind, geht das Erbe auf erbberechtigte Personen der nächsten bis hin zur letzten Ordnung über. Das Erbe wird auf jeder Ebene zu gleichen Teilen aufgeteilt. Es erbt immer die höchste Ordnung.

Beispiel: Die Eltern des Erblassers erben zu gleichen Teilen. Sind diese bereits verstorben, wird das Erbe zu gleichen Teilen auf die Geschwister übertragen. Sofern die Geschwister bereits verstorben sind, erben deren Abkömmlinge zu gleichen Teilen und so weiter.

Ehegattenerbrecht

Der Ehepartner eines Verstorbenen zählt laut Erbrecht nicht zu den Verwandten des Erblassers. Ehepartner haben jedoch durch das Ehegattenerbrecht Anspruch auf ein Erbe. Zunächst erbt ein Ehegatte den ehelichen Hausrat sowie die Hochzeitsgeschenke. Sofern Erben erster Ordnung vorhanden sind, erhält der Ehegatte ein Viertel des Erbes. Haben Verwandte der zweiten Ordnung Anspruch auf das Erbe, so erhält der Ehegatte die Hälfte des Erbes. Sofern keine Verwandten der ersten oder zweiten Ordnung vorhanden sind, erbt ein Ehepartner den gesamten Nachlass.

Keine vorhandenen Erben

Sofern keine Erben vorhanden sind, geht der Nachlass des Verstorbenen an den Staat über. Der Staat kann ein Erbe nicht ausschlagen und tritt die Rechtsnachfolge des Verstorbenen an. Bei offenen Schulden des Verstorbenen haftet der Staat in Höhe des Nachlasses gegenüber Gläubigern.

Ausschluss von der Erbfolge

Ausgeschlossen von der gesetzlichen Erbfolge sind Personen, die erbunwürdig geworden sind. Als erbunwürdig gelten Hinterbliebene, die den Erblasser vorsätzlich getötet oder einen Tötungsversuch begangen haben. Drohungen und Täuschungen gegenüber dem Verstorbenen zur Erstellung oder Aufhebung einer Verfügung haben ebenfalls einen Ausschluss von der Erbfolge zur Folge. Erbunwürdig sind darüber hinaus Personen, die eine letztwillige Verfügung des Verstorbenen ge- oder verfälscht haben.

Pflichtteil des Erbes

Um Ehe- oder Lebenspartner sowie die engsten Verwandten nicht ganz vom Erbe auszuschließen, sieht das deutsche Erbrecht einen Erb-Pflichtteil vor. Die Pflichtteilsberechtigen haben einen Anspruch auf Geldzahlung in Höhe der Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Dieser Pflichtteilsanspruch kann trotz Testament geltend gemacht werden. Pflichtteilsberechtigt sind bestimmte Personengruppen:

  • der hinterbliebene Ehe- oder Lebenspartner
  • Kinder
  • Enkel
  • Eltern

Erbfolge im Testament

Ein Testament steht über der gesetzlichen Erbfolge und ermöglicht die Festlegung einer individuellen Erbfolge sowie die Benennung einzelner Vermächtnisnehmer im Rahmen des deutschen Erbrechts. Ein Testament kann vom Erblasser jederzeit und unabhängig von den Begünstigten geändert werden.

Eigenhändiges Testament

Das selbstständig aufgesetzte Testament muss gänzlich handschriftlich verfasst und unterschrieben sein. Das Dokument sollte bestimmte Angaben des Erblassers enthalten:

  • Eindeutige Überschrift zur Kennzeichnung des Dokuments als Testament
  • Erstellungsdatum
  • Erstellungsort
  • Name
  • Adresse
  • Geburtsdatum
  • Festlegung der Erbfolge
  • Bestimmung von Vermächtnisnehmern
  • Unterschrift des Verfügenden
Hinweis:

Regelungen und Vermächtnisse sollten in einem eigenhändigen Testament möglichst eindeutig und unmissverständlich formuliert werden. Der Verfügende sollte sich nicht vor deutlichen Formulierungen scheuen, da diese dem Notar oder Nachlassgericht eine klare Entscheidung ermöglichen.

Der Erblasser kann den Aufbewahrungsort des Testaments frei wählen. Das Testament sollte an einem gut zugänglichen Ort aufbewahrt werden, der nahestehenden Angehörigen ebenfalls bekannt ist. Bei einer freien Aufbewahrung kann das Testament jedoch unter Umständen verloren gehen. Alternativ kann ein Testament beim Amtsgericht in amtliche Verwahrung gegeben werden.

Öffentliches Testament

Wird das Testament mit Hilfe eines Notars erstellt, spricht man von einem öffentlichen oder notariellen Testament. Der letzte Wille des Erblassers wird dem Notar entweder mündlich erklärt oder schriftlich verfasst und dem Notar übergeben. Notare sind dazu verpflichtet, bei der Testamentserstellung zu unterstützen und Unklarheiten in bei Formulierungen zu beseitigen.

Das öffentliche Testament wird amtlich verwahrt und bei Eintritt des Todes eröffnet. Die Gebühr für diese Art von Testament richtet sich immer nach dem Wert des Nachlasses, der geregelt werden soll.

Erbfolge im Erbvertrag

In einem Erbvertrag können ebenfalls Regelungen zum Erbe getroffen werden. Ein Erbvertrag steht über der gesetzlichen Erbfolge und regelt auf vertraglicher Basis den Umgang mit dem verbleibenden Vermögen des Erblassers im Falle seines Todes. Ein Erbvertrag muss in Anwesenheit beider Vertragsparteien von einem Notar geschlossen werden.

Hinweis:

In einem Erbvertrag haben Begünstigte eine rechtlich gesicherte Position in Form einer Anwartschaft. Änderungen im Erbvertrag können lediglich mit der Zustimmung aller Vertragsparteien vorgenommen werden.

Erbe ausschlagen

Angehörige, die als Erben bedacht wurden, sind dazu berechtigt, die Erbschaft auszuschlagen. In diesem Falle verzichten Hinterbliebene auf ihren Erbanspruch und treten auch nicht die Rechtsnachfolge des Verstorbenen an. Das Erbe kann bereits zu Lebzeiten des Erblassers in Form eines Vertrages ausgeschlagen werden.

Die Ausschlagung des Erbes muss gegenüber einem Notariat oder dem Nachlassgericht innerhalb von sechs Wochen von offizieller Stelle beglaubigt werden. Sofern sich der Erbe im Ausland befindet oder der Erblasser seinen Wohnsitz im Ausland hatte, beträgt die Frist sechs Monate. Für die Ausschlagung fallen Gebühren an, die anteilig aus dem Gesamtwert des Nachlasses errechnet werden.

Hinweis:

Sofern das Erbe angetreten wird oder die gesetzte Frist zur Ausschlagung versäumt wird, geht das Erbe automatisch an den Erbnehmer über.

Erbfolge im internationalen Erbrecht

Erbfolge bei mehreren Staatsangehörigkeiten

Die gesetzliche Erbfolge unterliegt dem Recht des Staates, dem der Erblasser angehörig war. Bei mehreren Staatsangehörigkeiten gilt das Recht des Staates, zu dem der Erblasser einen engeren Bezug hatte. Hierbei ist häufig der Erstwohnsitz entscheidend. Sofern ein Verstorbener in verschiedenen Ländern Erbe hinterlässt, kann es zu einer Nachlassspaltung kommen.

Nachlassspaltung bei Erbe im Ausland

Zu einer Nachlassspaltung kommt es häufig, wenn der Erblasser unbewegliches Erbe im Ausland hinterlässt. Als unbewegliches Vermögen werden beispielsweise Immobilien oder Grundstücke bezeichnet. Als bewegliches Vermögen gelten Geldbeträge oder Gegenstände. Befinden sich Immobilien im Ausland, wird der Nachlass mitunter nach unterschiedlichen Rechtsformen gespalten. Der bewegliche Nachlass wird gemäß der geltenden Erbfolge im Heimatstaat aufgeteilt. Der unbewegliche Nachlass im Ausland unterliegt der dort geltenden Erbfolge.

Individuelle Erbfolge im internationalen Recht

Eine mittels Testament oder Erbvertrag individuell festgelegte Erbfolge gilt auch im Ausland. Die „gewillkürte Erbfolge“ muss allerdings eine der folgenden Bedingungen erfüllen:

  • Sie muss dem Recht des Staates entsprechen, dem der Erblasser angehörig war
  • Sie muss dem Recht des Landes entsprechen, in dem die Verfügung errichtet wurde
  • Sie muss dem Recht des Landes entsprechen, in dem der Erblasser seinen letzten Wohnsitz hatte





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