Wir beantworten gerne Ihre Fragen, telefonisch oder per E-Mail

mymoria.de verwendet Cookies, um Ihnen das beste Erlebnis auf der Webseite zu ermöglichen. Weitere Informationen finden Sie hier

Grabsteine aus Kinderarbeit: Würdevoller Abschied durch unwürdige Bedingungen

© pixabay.com/billycm

Eine Lebenserwartung von mindestens 80 Jahren hat heutzutage der durchschnittliche Bundesbürger, wobei sich die Zahlen mit der Verbesserung des medizinischen Standards konstant nach oben entwickeln. In Würde möchten wir uns am Ende unseres Lebens von dieser Erde verabschieden und ein Andenken an unsere Existenz in Form eines imposanten Grabsteins setzen. Die Tatsache, dass die farbenfrohen Steine oftmals auf der anderen Seite der Erdkugel von Kinderhänden aus dem Stein gehauen werden, ist uns dabei weniger bewusst. Bei bis zu 45°C schlagen Minderjährige in Steinbrüchen des globalen Südens die begehrten Natursteine in transportfähige Stücke. Bedingt durch die Folgeschäden der harten Arbeit und des allgegenwärtigen Steinstaubs werden viele der minderjährigen Arbeiter keine 30 Jahre alt.

Billige Grabsteine auf Kosten von Kindern

Der Import von Natursteinen hat in den letzten Jahren einen so rasanten Anstieg erfahren, dass inzwischen über 90 Prozent des Materials für Grabsteine aus dem Ausland stammt. Insbesondere einige Länder des asiatischen Großraums weisen ein hohes Vorkommen an mehrfarbigem Granitgestein auf, das hierzulande auf dem Markt sehr begehrt ist. Verwunderlich sind dabei die niedrigen Preise der Importsteine, geht man davon aus, dass diese ja schließlich einmal um die Erde geschifft werden müssen. Bei genauerem Hinschauen fällt schnell auf, dass diese Preise nur in Verbindung mit der Ausbeutung Dritter möglich sind – darunter auch Kinder.

Laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO, werden weltweit 218 Millionen Kinder beschäftigt. Vor allem Natursteine aus den Ländern Indien, China, Vietnam und den Philippinen gelten dabei als problematische Produktionsländer. Offizielle Daten zur tatsächlichen Anzahl an beschäftigten Kindern in den gesundheitskritischen Steinbrüchen sind schwer festzustellen. Jedoch geht man in den Ländern des globalen Südens von über 100.000 Kinderarbeitern aus. Da die Arbeit auf den Steinbrüchen mit hohen gesundheitlichen Folgen einhergeht, gilt diese Form der Kinderarbeit als besonders schwerwiegend. In den meisten Fällen arbeiten die Kinder ohne jegliche Schutzbekleidung und so ist es keine Seltenheit, dass an einigen der kleinen Hände Finger fehlen. Durch die permanente Luftbelastung mit Steinstaub erkranken zudem viele bereits in jungen Jahren an Staublunge und haben kaum eine Chance auf eine hohe Lebenserwartung.

Um der Ausbeutung von Kindern ein Ende zu setzen, wurde bereits 1999 die ILO Konvention 182 verabschiedet, die zum Ziel hat, Verbote und Maßnahmen zur Beseitigung der schlimmsten Formen von Kinderarbeit durchzusetzen. Da auch Deutschland dieses Übereinkommen unterzeichnet hat, sind die Gesetzgeber verpflichtet, entsprechende Schritte einzuleiten.


Sie möchten heute schon vorsorgen und Ihren Grabstein selbst auswählen?

Tragen Sie Ihre Wünsche und Vorstellungen zusammen und erhalten Sie ein vollständiges Bestattungsvorsorgepaket – kostenfrei und unverbindlich.

Bestattungsvorsorge erstellen


Die Situation in deutschen Steinmetzbetrieben

Zusammen mit den steigenden Importen von Grabsteinmaterial aus Entwicklungs- und Schwellenländern, ist ein deutlicher Rückgang deutscher Natursteinunternehmen zu verzeichnen. Viele kleinere Betriebe können mit den günstigen Preisen nicht mithalten und geben schließlich auf. Andere passen sich an und bieten ihrerseits die billig eingekaufte Ware selbst an. Konfrontiert mit den Produktionsbedingungen, streiten Vertreter des Steinmetzverbandes die Existenz von Kinderarbeit ab. Diese gehöre der Vergangenheit an und es gebe keine Beweise für ihre tatsächliche Existenz. Viele Importeure berufen sich auch auf mündlich versicherte Aussagen ihrer Vertragspartner in den Ländern des globalen Südens, keine Kinder in ihrem Unternehmen zu beschäftigen.

Dass Kinderarbeit in Steinbrüchen hingegen Realität ist, wurde kürzlich in einer umfassenden Studie der Hochschule Düsseldorf nachgewiesen. Die Studie befasst sich mit der Identifikation von Ländern, in denen Kinderarbeit in der Natursteinindustrie ein besonderes Problem darstellt und liefert umfassendes Material, um dies zu belegen.

Gesetzliche Maßnahmen zur Verbesserung der Produktionsbedingungen

Da das Problem der in Kinderarbeit produzierten Grabsteine in den letzten Jahren immer mehr in den Vordergrund gerückt ist, steht nun auch die Gesetzgebung unter Zugzwang. Nicht zuletzt durch die ILO Konvention 182, die es vorsieht, Maßnahmen gegen die Kinderarbeit zu ergreifen, ist auf diesem Gebiet akuter Handlungsbedarf. Die Bestattungsgesetze werden von den Länderregierungen verabschiedet und so fällt es in deren Aufgabenbereich, die Regelungen zur Bestattung dementsprechend anzupassen.

In Bayern, Baden-Württemberg, dem Saarland, Nordrhein-Westfalen und seit Juni 2018 nun auch in Niedersachsen wurden bereits Reformen des Bestattungsgesetzes verabschiedet. Weitere Bundesländer haben zudem Gesetzesentwürfe für Maßnahmen gegen Grabsteine aus Kinderarbeit auf den Weg gebracht. Die konkreten Gesetzesänderungen variieren zwischen den Ländern, haben aber alle eine Klausel gemeinsam, die es den Kommunen erlaubt, Verbote für Grabsteine aus Kinderarbeit in ihre Friedhofssatzungen aufzunehmen. Somit liegt die Verantwortung bei den einzelnen Gemeinden und es bleibt zu hoffen, dass das Verbot bald deutschlandweit umgesetzt wird.

Wie kann die Produktion von Grabsteinen frei von Kinderarbeit nachgewiesen werden?

Die Formulierungen zu anerkannten Nachweisen in den Gesetzestexten sind schwammig. Oftmals heißt es nur, dass die Nachweise von fair produzierten Grabsteinen durch eine unabhängige Organisation, die sich für die Beachtung der Mindestanforderungen einsetzt, erbracht werden muss. Aber auch die gleichwertigen Erklärungen eines Dritten sind zulässig. Dies lässt viel Spielraum für unterschiedliche Aussagen darüber, wer entsprechende Zertifikate ausstellen kann. Eine einheitliche Richtlinie gibt es nicht.

In den letzten Jahren haben sich allerdings die Label „Fair Stone“ und „XertifiX“ als Standards etabliert, die eine Produktion ohne Kinderarbeit garantieren und sehr hohe Ansprüche an die Produktionsbedingungen stellen.


Sie möchten einen fair produzierten Grabstein?

Tragen Sie Ihre Wünsche und Vorstellungen zusammen und erhalten Sie ein vollständiges Bestattungsvorsorgepaket – kostenfrei und unverbindlich. Bestimmen Sie alle Details der Bestattung und der letzten Ruhestätte rechtzeitig selbst und nehmen Sie Ihren Angehörigen schwierige Entscheidungen ab.

Bestattungsvorsorge erstellen

Was können Sie selbst gegen Grabsteine aus Kinderarbeit tun?

Wenn es auch verlockend ist, einen bunten Grabstein aus Granit zu einem günstigen Preis zu erstehen, so empfiehlt es sich doch, etwas genauer hinzuschauen. Auch in der Natursteinindustrie bestimmt die Nachfrage das Angebot und es liegt in unserer Verantwortung, ein Zeichen gegen die Ausbeutung von Kindern zu setzen.

Eine frühzeitige Bestattungsvorsorge gibt Ihnen die Möglichkeit, alle Details der Bestattung im Vorfeld zu planen und bei der Wahl Ihres Grabsteins auf entsprechende Zertifikate zu achten. Informieren Sie sich bei Ihrem Steinmetz über das Angebot an zertifizierten Grabsteinen und treffen Sie eine Kaufentscheidung gegen Kinderarbeit in Steinbrüchen des globalen Südens.



Haben Sie Fragen? Unsere Bestattungsexperten helfen gerne