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    Gedenken rund um den Globus: Trauerrituale in anderen Ländern

Gedenken rund um den Globus

Trauerrituale in anderen Ländern

In unseren Breiten begegnen wir dem Tod oft mit Angst und Unbehagen. Menschen aus anderen Kulturkreisen haben oftmals einen sehr unterschiedlichen Ansatz, mit dem Verlust eines Angehörigen umzugehen.

Mit dem Sterben setzen wir uns häufig erst dann auseinander, wenn der Tod schon an die Tür klopft. Stirbt ein geliebter Mensch, trauern wir leise, voller Schmerz und Demut. In anderen Ländern wird oftmals ganz anders getrauert, es gibt die unterschiedlichsten Trauerritualen. In diesem Artikel machen wir eine Reise um die Welt und schauen uns an, wie die Menschen in anderen Ländern trauern.

Mexiko: Día de los muertos

Der Día de los muertos blickt auf eine lange Tradition zurück. Bereits die Ureinwohner Mexikos feierten einmal im Jahr den Tag der Toten. In der Nacht zum 1. November verkleiden sich Kinder und Erwachsene als Skelette und überall auf den Straßen werden kleine Altäre zu Ehren der Verstorbenen aufgebaut. Der Glaube besagt, dass in jener Nacht die Toten zurück auf die Erde kommen, um zusammen mit ihren Familien zu feiern. Sterben bedeutet nicht das Ende. Vielmehr geht beim Tod die Seele ins Jenseits über und kehrt einmal im Jahr zurück ins Diesseits, um diesen besonderen Tag im Kreise der Liebsten zu feiern.

Traditionell werden besondere Speisen angeboten. Es gibt Gebäck und Süßigkeiten in der Form eines Totenschädels. Die kleinen Altäre werden mit Blumen geschmückt und all dem, was der tote Besuch im Jenseits vermissen könnte. Dazu zählen häufig auch der Lieblingsschnaps oder die Lieblingszigarre des Verstorbenen.

In der Nacht treffen sich Angehörige und Freunde am Grab des Toten. Sie bringen Geschenke mit, essen gemeinsam das Lieblingsessen des verstorbenen Familienmitglieds und zelebrieren das Gefühl, ihrem Liebsten ganz nah zu sein.

Der Umgang mit dem Tod ist dabei viel ausgelassener und es findet eine Begegnung auf Augenhöhe statt. Vielleicht fällt es vielen Hinterbliebenen dadurch sogar leichter, dem Tod offensiv entgegenzutreten, ihn als Teil des Lebens zu betrachten und zu akzeptieren statt zu fürchten. Der Día de los muertos gibt die Gewissheit, dass man nicht in Vergessenheit gerät und auch nach dem Tod einmal im Jahr im Kreise der Liebsten präsent ist.

Jamaika: Nine-Night

Verwurzelt in afrikanischen Traditionen findet in Jamaika nach dem Tod eine neuntägige Totenwache statt. Dem Glauben nach seien diese neun Tage nötig, damit der Geist des Verstorbenen den Körper verlassen könne. Findet ein zu frühes Begräbnis statt, könne es vorkommen, dass dieser weiterhin auf der Erde herumspukt und rachsüchtig für Unheil sorgt.

Das Nine-Night-Ritual dient also in erster Linie der Begleitung der Seele des Verstorbenen in das Reich der Toten. Zwar gibt es den Angehörigen auch die Möglichkeit zu trauern, jedoch werden Trauer und Schmerz hauptsächlich im Stillen und in geschützter Atmosphäre ausgelebt. Während der neun Tage kommen traditionell Freunde und Verwandte zu Besuch, spenden Trost und versorgen die Trauernden mit Speisen und Getränken.

In der neunten Nacht findet die eigentliche ninth night statt. Dabei richtet die Familie des Verstorbenen ein großes Fest aus. Traditionelle Gerichte wie Bammy und frittierter Fisch werden vorbereitet. Für Speis und Trank ist ausreichend gesorgt und es wird zusammen getanzt und gesungen. Vor Mitternacht darf das Essen allerdings nicht angerührt werden, da der Geist des Verstorbenen dem Glauben nach diese Zeit benötigt, um ins Jenseits herüberzuwandern.

Nach Mitternacht dann wird das Leben des geliebten Menschen zelebriert. Es wird ausgiebig gefeiert und Rum fließt in Massen. Das fröhliche Festgelage ist für die Angehörigen sehr wichtig, um sich gebührend von dem Verstorbenen zu verabschieden.

Indien: Trauer im Hinduismus

Ein Großteil der indischen Bevölkerung gehört der hinduistischen Glaubensrichtung an. Menschsein und Tod werden im Hinduismus unter einem ganz anderen Blickwinkel betrachtet. Dabei hat das Karma eine zentrale Bedeutung. Es steht für die guten Taten eines jeden, die zu Lebzeiten vollbracht wurden. Dem Glauben nach entscheidet sich anhand des Karmas die Form der Wiedergeburt. Das höchste Ziel dabei ist, im Nirwana wiedergeboren zu werden und Eins mit der Ewigkeit und dem Absoluten zu werden.

Am Todestag wird der Leichnam verbrannt. Zuvor werden jedoch wichtige Reinigungsrituale vollzogen. Durch die Reinigung des Körpers wird gleichzeitig auch die Seele gereinigt und auf die anschließende Reise vorbereitet. Die Verbrennungszeremonie findet an öffentlichen Plätzen statt, wo der Leichnam auf einen Scheiterhaufen gebettet wird. Sinnbildlich für die fünf Elemente umrunden die Angehörigen des Verstorbenen den toten Körper fünf Mal. Im Anschluss wird das Feuer entfacht, das aus einer heiligen Feuerquelle eines Tempels stammt. Um der unsterblichen Seele eines Verstorbenen die Möglichkeit zu geben sich zu entfalten, wird der Schädel des Leichnams zerschlagen. Traditionell muss die Asche des Verstorbenen nach drei Tagen den Ganges oder andere heilige Gewässer gestreut werden. Teilweise wird sie jedoch auch in der Erde beigesetzt.

Im Hinduismus steht der Tod nicht für Verzweiflung, sondern Befreiung der Seele und den Übergang in eine neue Existenz. Der Tod ist im Alltag allgegenwärtig und wird nicht tabuisiert. Trotzdem wird auch bei den Hindus getrauert. Als Zeichen der Trauer scheren sich die Söhne eines Verstorbenen während der Trauerzeit den Kopf kahl. Zum Gedenken werden Kerzen in fließende Gewässer gegeben und am Todestag Opfergaben dargeboten.

Indonesien: Das singende und tanzende Fest der Toraja

Obwohl Indonesien das größte muslimische Land der Erde ist, ist der Süden der viertgrößten Insel des Archipels, Sulawesi, von einer Kombination aus alten Naturreligionen Aluk und christlichen Einflüssen der Missionare geprägt. Für das Volk der Toraja ist die Totenfeier das höchste Fest. Der eigentlichen Beerdigung geht ein ausgiebiges Begräbniszeremoniell zuvor. Dabei wird der Leichnam einbalsamiert oder mit Formalin konserviert und im hinteren Teil des Hauses aufgebahrt. Die Zeremonie kann sogar bis zu zwei Jahre andauern, in denen der Verstorbene wie ein schlafendes Familienmitglied behandelt wird.

Da Wasserbüffel als Symbol für Macht und Reichtum stehen, werden diese bei dem anschließenden Totenfest geopfert. Je höher das Ansehen des Verstorbenen, desto mehr Büffel müssen geopfert werden. Die Begräbnisfeierlichkeiten können mehrere Tage dauern und so kostenintensiv sein, dass es die Familie in den finanziellen Ruin treibt. Viele Trauergäste sind willkommen. Auch Touristen können der Zeremonie beiwohnen, so lange sie Geschenke mitbringen.

Die Trauerfeier geht unter lautem Jubel und Gelächter vonstatten. Es wird getanzt, gesungen und auch ausgelassene Rangeleien finden statt. Traditionell werden dunkle Farben wie Schwarz und dunkles Rot getragen. Der Tod wird als Höhepunkt des Lebens gefeiert und in festlicher und fröhlicher Atmosphäre zelebriert.

Je mehr Ansehen der Verstorbene zu Lebzeiten hatte, desto kunstvoller werden auch die Särge gefertigt. Im Anschluss an die Feierlichkeiten wird der Sarg dann in einer Höhle, einem Steingrab oder frei hängend an Felswänden beigesetzt.

Einmal im Jahr findet das Ritual Ma’Nene statt, bei dem die Toten exhumiert, neu eingekleidet und durchs Dorf geführt werden. Habseligkeiten und Kostbarkeiten werden den Verstorbenen in ihren Gräbern mitgegeben, da die Toraja daran glauben, dass alle Besitztümer mit ins Jenseits genommen werden können.

Ägypten: Klageweiber und muslimische Trauerrituale

Im Alten Ägypten wurde zu Ehren eines Todes lautstark geklagt und auf den Tod des Verstorbenen aufmerksam gemacht. Zu diesem Zweck gab es sogar ein regelrechtes Gewerbe, das darauf spezialisiert war: Die Klageweiber. Gegen Naturalien und später auch Geld begleiteten sie die Trauerfeiern mit lautem Klagen, aber auch Gesang und Tanz. Die Anzahl der Klagefrauen gab dabei Auskunft über das Vermögen der Hinterbliebenen. Angeführt wurden die Klageprozessionen zumeist von Priesterinnen. Das Klagen beinhaltete eine Vielzahl unterschiedlicher Handlungen wie Raufen der Haare, das Bewerfen mit Asche und das Schlagen auf den eigenen entblößten Oberkörper.

Im Zuge der Islamisierung veränderte sich die Trauerkultur Ägyptens stark. Im muslimischen Glauben gilt das irdische Leben als Vorstufe zum Paradies. Im Gegensatz zu den Klageweibern wird die Trauer sehr verhalten ausgedrückt. Lautes Wehklagen könnte als Ausdruck des Zweifelns an Gottes Entscheidung angesehen werden und wird somit vermieden.

Der Verstorbene wird vor der Beisetzung gewaschen und im Anschluss in ein weißes Laken gehüllt. Dem Glauben nach sind im Tod alle gleich, deswegen findet auch die Beerdigung so schlicht wie möglich statt. Man verzichtet komplett auf einen Sarg. Der Leichnam wird samt Leichentuch in ein Grab gebettet und mit der Blickrichtung nach Mekka ausgerichtet.

Männer und Frauen trauern in der Regel getrennt. Traditionell trauern die Frauen eher zuhause. Die Männer bringen ihre Trauer auch in der Öffentlichkeit zum Ausdruck. Bei den Schiiten wird der Verstorbenen einmal im Trauermonat Muharram gedacht, wohingegen im sunnitischen Glauben nicht über einen längeren Zeitraum getrauert wird.

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