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    Friedhof: Der ungewöhnliche Lebensraum

Friedhof

Der ungewöhnliche Lebensraum

Der Friedhof als Ort von Trauer und Abschied kann auch als Ort des Lebens dienen, wenn diese Areale von Wildtieren erobert werden.

Der Friedhof wird zumeist verstanden als "Ort der Toten" und eher mit Stille, Ruhe, Schwermut und "Leblosigkeit" assoziiert. Zwar ist es für viele Besucher akzeptabel, wenn sich Menschen dort aufhalten und sich eventuell auf die Parkbänke setzen, doch Kinder, wildes Toben oder Haustiere sind häufig nicht willkommen. Und nicht selten kommt es auch zu verbalen Auseinandersetzungen, sollte doch einmal ein Haustier auf dem Friedhof auftauchen. Es wirkt oftmals so, als solle selbst der Friedhof dazu beitragen, den Tod aus dem Leben zu verbannen, ihn aus der Mitte der Gesellschaft zu entfernen und das gesellschaftliche Tabu dadurch zu verstärken. Der Zaun um den Friedhof ist auch eine mentale Grenze, hinter der wir den Tod verstecken.

Die Natur des Friedhofs

Schaut man sich jedoch den Friedhof einmal losgelöst von der Bedeutung für die menschliche Gesellschaft an, so erkennt man, dass viele davon eine Oase der Natürlichkeit darstellen – große Rasenflächen, Hecken, alte, große Bäume und kein Autoverkehr. Natürlich sind nicht alle Friedhöfe identisch und sie unterscheiden sich in Struktur und Grad der Natürlichkeit, doch zumindest die Ruhe und Sicherheit vor Autos haben sie irgendwie gemein.

Natur- und Baumbestattungen

Noch intensiver findet man die Natürlichkeit offensichtlich bei Waldfriedhöfen – egal ob FriedWald, RuheForst oder ein kommunaler Waldfriedhof. Hier ist der Hauptcharakter der Wald, nur nahezu nebensächlich handelt es sich um einen Ort der Trauer, den Menschen nutzen, um Baumbestattungen durchzuführen. Daher gilt dort auch der Verzicht auf Grabbeigaben und Trauerfloristik, der Schmuck des Grabes erfolgt mit Tannenzweigen und ähnlichem. Selbst die Urne muss bei der Naturbestattung bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Warum wird der Friedhof zum Lebensraum?

Friedhöfe sind in der Regel nur tagsüber geöffnet, mit Ausnahme der FriedWald- und RuheForst-Standorte sowie anderer Waldfriedhöfe. Diese sind als Bestandteil des natürlichen Waldes unabhängig von Öffnungszeiten. Dies machen sich Wildtiere zunutze, um die Flächen als Lebensraum zu verwenden. Neben dem gut duftenden Grabschmuck wie zum Beispiel Rosen, die Rehe besonders gerne essen, trägt auch der von uns hinterlassene Müll in den Mülleimern seinen Teil dazu bei, dass sich Wildtiere wie magisch angezogen fühlen. Füchse und Dachse beispielsweise verspeisen gerne Grableuchten, da sie den öligen Geschmack des Kerzenwachses mögen. Die Situation auf Friedhöfen ist also ganz ähnlich wie bei städtischen Parkanlagen – sie werden zu Punkten hoher Biodiversität, auch da wir natürliche Lebensräume immer weiter zurückdrängen und sich die Wildtiere neue Lebensräume suchen und schaffen müssen. Nachts sind sie auf dem Friedhof ungestört von Menschen und Verkehr und können ihrem Leben friedvoll nachgehen. Einige der Wildtiere die man auf Friedhöfen, selbst in Städten, des Nachts beobachten kann:

  • Füchse
  • Waschbären
  • Rehe
  • Wildkaninchen
  • Hasen
  • Wildschweine
  • Dachse
  • Eichhörnchen
  • Wildgänse

Die Folgen für den Friedhof als Ort der Trauer

Für viele Menschen ist der Gedanke, dass der Friedhof nachts friedlich für Wildtiere als Habitat fungiert, ein sehr schöner Gedanke. Manchmal jedoch kommt es auch hier zu Zusammenstößen zwischen dem wilden und ungezügeltem Leben der Tiere und dem was wir als Menschen uns als zivilisiert wünschen oder vorstellen. Für Rehe zum Beispiel ist es nicht einzusehen, dass die wundervoll frischen Blüten und Knospen von Grabblumen nicht etwa als kaltes Buffet für sie angerichtet wurden, sondern Symbolik für den Abschied von einem geliebten Menschen ist. Für manchen Mitbürger ist dies ein Grund zur Freude und zum Lächeln, doch für Andere ist es ein Trauerspiel und verletzend, die abgeknabberten Blumen am nächsten Morgen am Grab zu sehen. Es werden daher Versuche unternommen, dies zu verhindern, etwa durch höhere oder auch elektrische Zäune.

Was kann man tun, um die Gräber zu schützen

Es gibt Maßnahmen, die wir ergreifen können, um zumindest den Blumenschmuck zu schützen. Teilweise sind diese vom Friedhof durchzuführen, wie etwa das Errichten ausreichend hoher Zäune. Wildschweine beispielsweise können über 1,20 m hohe Zäune springen, Rehe lassen sich erst mit circa 1,80 m hohen Zäunen abhalten.

Weiter können die Pflanzen, insbesondere feste Bepflanzung, mit feinem Maschendraht geschützt werden, während Plastikmanschetten junge Bäume auf dem Friedhof absichern. Auch werden Beete durch dichte Dornenhecken vor Wildfraß bewahrt.

Da auch die getrockneten Beeren der Grabgestecke gerne verspeist werden, insbesondere von Wildkaninchen und Hasen, spielt die Auswahl der Pflanzen ebenso eine große Rolle. Es gibt Pflanzen, die weniger gerne von den Wildtieren gegessen werden, wie zum Beispiel Flieder, Lavendel, Hortensien, Iris, Rittersporn oder Fackellilien. Idealerweise sollte man diese Pflanzen zum Grabschmuck anfragen, wenn Trauerfloristik beim Floristen bestellt wird.

Eine weitere Maßnahme, die im Verantwortungsbereich des Friedhofs liegt, ist es die Mülleimer entweder gut zu sichern oder zumindest regelmäßig zu leeren. Damit kann sichergestellt werden, dass der Müll die Attraktivität der Friedhöfe als Lebensraum nicht zusätzlich weiter erhöht.

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Dieses Projekt wird kofinanziert durch den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE).
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