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    Grabrede: Am Grab die richtigen Worte für den Verstorbenen finden

Grabrede

Am Grab die richtigen Worte für den Verstorbenen finden

Die Grabrede ist eine besondere Art der Trauerrede, die am Grab von Angehörigen, Freunden oder einem Grabredner gehalten wird. Sie beleuchtet das Leben und den Charakter des Verstorbenen und richtet sich an die trauernden Hinterbliebenen.

Häufig Gestelle Fragen – Grabrede


Wer hält die Grabrede?

Die Grabrede kann sowohl von einem Angehörigen als auch von einem professionellen Trauerreder oder einem Pfarrer gehalten werden. Die Rede eines Familienmitgliedes, das den Verstorbenen kannte, wird zwar deutlich persönlicher sein als die eines Trauerredners, doch für viele Hinterbliebene ist der Schmerz und der Druck, die richtigen Worte zu finden, zu groß. Setzen Sie sich daher nicht selbst unter Druck - falls Sie sich das Halten der Grabrede nicht zutrauen, beauftragen Sie einen Trauerredner und nehmen Sie sich selbst die Zeit für die Abschiednahme.


Hintergründe der Grabrede

Die erste protestantische Leichenpredigt wurde anlässlich des Todes von Martin Luther verfasst und am 19. Februar 1546 von Justus Jonas gehalten. Am darauffolgenden Tag würdigte Michael Cölius Luther in einer Predigt. Die Begräbnisfeier von Martin Luther fand in der Wittenberger Schlosskirche statt. Dort hielten außerdem Johannes Bugenhaben sowie Philipp Melanchthon Reden zum Tode Luthers. Dies waren die ersten gedruckten Reden, die sich rasch verbreiteten. Bis heute zählt die Grabrede – egal ob weltlich oder religiös – als Variante der Trauerrede zu den üblichen Bräuchen während einer Trauerfeier.

Funktion einer Grabrede

Dem Verstorbenen wird durch eine Grabrede die letzte große Ehre erwiesen. Indem verschiedene Anekdoten, Charakterzüge und wichtige Lebensstationen des Verstorbenen beleuchtet werden, kann die Trauergemeinde Abschied nehmen und einem geliebten Menschen am Grab ein letztes Mal im Stillen gedenken.

Die Grabrede gilt als wichtige Hilfestellung für die Trauerbewältigung. Angehörige haben durch die Grabrede die Gelegenheit, sich mit dem Verlust des geliebten Menschen zu befassen und einen Blick in die Zukunft zu werfen. Das gemeinschaftliche Trauern ist für die Trauerbewältigung außerdem von großer Bedeutung und kann emotional entlasten.

Grabredner

Sofern Angehörige nicht selbst vor der Trauergemeinde sprechen möchten, kann dies ein Trauerredner übernehmen. Der Trauerredner kann sowohl ein Pfarrer als auch ein konfessionsloser, weltlicher Redner sein. Nach einem persönlichen Vorgespräch mit den Angehörigen gestaltet der Trauerredner die Grabrede. Ein kirchlicher Trauerredner wird üblicherweise kostenfrei von der Gemeinde gestellt. Die Kosten für einen weltlichen Trauerredner liegen je nach Aufwand zwischen 150 und 600 Euro. Auf besonderen Wunsch können auch Angehörige, Freunde, Kollegen und Vereinskameraden Grußworte oder Nachrufe sprechen.

Inhalt einer Grabrede

Inhaltlich entspricht die Grabrede in der Regel einer Trauerrede. Je nach Witterungsbedingung muss bei einer Grabrede unter Umständen auf moderne Medien verzichtet werden. Im Vergleich zur Trauerrede fällt die Grabrede aufgrund fehlender Sitzmöglichkeiten meist kürzer aus.

Jede Grabrede kann unterschiedlich gegliedert werden und sich mit den Umständen des Sterbens, dem Charakter, Schaffen und Leben des Verstorbenen sowie vielen weiteren Aspekten befassen. Der Inhalt einer Grabrede kann religiös, ideologisch sowie philosophisch geprägt sein. Sie sollte auf den Verstorbenen und die Trauergemeinde zugeschnitten sein. In der Regel ist die Grabrede kürzer als drei Minuten.

Mögliche Inhalte die in einer Grabrede mit einbezogen werden können sind:

  • Persönlichkeit und Charaktereigenschaften des Verstorbenen
  • Alter des Verstorbenen, seine Lebensgeschichte, Hobbys, Arbeit
  • Stellung innerhalb der Familie, innerhalb seines sozialen Umfeldes, innerhalb der Gesellschaft
  • Todesart und -ursache, beispielsweise Krankheit, Unfall, Suizid
  • Hintergründe zu Ort und Art der Trauerfeier
  • Nachrufe von Vereinen, Freunden, Kollegen

Ergänzende Inhalte können sein:

  • Lebensweisheiten, Gedichte, Psalme, Zitate
  • Daten mit historischer oder persönlicher Bedeutung, beispielsweise erste Mondlandung oder der Mauerfall
  • Überleitungen zu rituellen Aktivitäten oder Ankündigungen wie beispielsweise einer Gedenkminute

Aufbau einer Grabrede

Für den Gesamteindruck einer Grabrede sind neben dem Inhalt auch der Tonfall und die visuellen Eindrücke von Bedeutung. Die Grabrede sollte einer bestimmten Gliederung folgen. Es kann ganz klassisch die 1-2-3 Form (Einleitung, Hauptteil, Schluss) oder auch andere Schemata gewählt werden. Der Aufbau kann wie folgt aussehen:

1. Einleitung

Zu Beginn sollte der Redner die Trauernden begrüßen und sich selbst vorstellen. Da nicht alle Anwesenden den Redner kennen, ist es hilfreich zu erwähnen, in welcher Beziehung dieser zum Verstorbenen steht. Der Redner kann bei der Einleitung auch darauf eingehen, was der Tod des Verstorbenen für ihn bedeutet.

2. Sterbefall

Im zweiten Teil können die Hintergründe des Todes thematisiert werden. Dieser Punkt kann abhängig vom Sterbeweg entscheidend für den Verlauf der Grabrede sein, beispielsweise wenn der Verstorbene durch den Tod eine Erlösung nach langer, schwerer Krankheit oder einen friedlichen Tod im hohen Alter erfahren hat. Die Lebenssituation vor Eintritt des Todes sollte thematisiert werden.

3. Erinnerung

Der Teil des Erinnerns bildet den Hauptteil einer Grabrede. Darin sollten besondere Ereignisse und Tätigkeiten aus dem Leben des Verstorbenen aufgeführt werden. Dazu zählen der Beruf, besondere Hobbys, Vereinstätigkeiten, eine Heirat und weitere Dinge, die den Verstorbenen ausgemacht haben. Daten besonderer Ereignisse können ebenfalls aufgegriffen werden. Dabei sollte jedoch bedacht werden, dass viele Anwesenden den Verstorbenen gut kannten und allzu oberflächliche Informationen ausgelassen werden können.

4. Der Nachlass

In diesem Teil einer Grabrede sollte darauf eingegangen werden, was der Verstorbene hinterlässt. Dies können besondere Auszeichnungen, bestimmte Werte, Lebensweisheiten oder besondere Tätigkeiten sein, die weitergeführt werden sollen.

5. Schluss

Der letzte Teil einer Grabrede sollte den Hinterbliebenen Mut für die Zukunft schenken. An dieser Stelle sind Wünsche angebracht, die Hoffnung wecken oder ermutigen. Die Hinterbliebenen sollen spüren, dass sie nicht alleine trauern und Beistand in ihrem Umfeld erhalten.

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